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Wettportale wie Polymarket oder Kalshi sind in Deutschland bislang verboten. Sie verstoßen gegen geltendes Glücksspielrecht. Die Finanzbranche wittert trotzdem ein neues Geschäftsmodell.

Der Mensch hinter dem User-Namen Magamyman – zu Deutsch-Make-America-Great-Again-mein-Mann – wird wohl sehr positiv auf den 28. Februar 2026 zurückschauen. Denn an diesem Tag ging seine Wette auf.

Mit dem Angriff der USA auf den Iran und dem Tod des geistlichen Führers Ayatollah Chamenei konnte Magamamyman mehr als 500.000 US-Dollar an Wettgewinnen einstreichen. Auf dem Polymarket-Profil von Magamyman lassen sich die Wetten auch heute noch nachvollziehe (Stand 26.03.2026).

Bereits vor den Wettgewinnen im Zuge des US-Angriffs auf den Iran sind Prognosemärkte wie Polymarket oder Kalshi in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Während Sportwetten mittlerweile ein weitgehend regulierter Teil des Glücksspielmarkts sind, sind auf Polymarket oder Kalshi Wetten auf Promiverlobungen, Kriege und andere Wetterereignisse möglich. Diese sogenannten Prediction Markets werden deshalb wahlweise als Gesellschaftswetten oder als Alles-Wetten bezeichnet.

Unter anderem aus diesem Grund sind beide Portale in Deutschland weitgehend verboten. Während Online-Casinos und Online-Sportwetten seit einigen Jahren in Deutschland legal sind, verbietet die gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) Wetten auf nicht-sportliche Ereignisse. Viele der Wetten auf Polymarket und Kalshi fallen unter dieses Verbot.

Zwischen Finanzinnovation und Insider-Trading

Wenn Ökonomen wie Richard Warr auf diese Prognosemärkte schauen, erwähnen sie deshalb zunächst auch die weite Bandbreite an Wettereignissen.

"Es gibt einen Vertrag darüber, ob Taylor Swift dieses Jahr den Papst treffen wird. Diese Verträge sind wirklich sehr vielfältig. Ich glaube, das macht sie im Vergleich zu herkömmlichen Wettverträgen so interessant."
Richard Warr, Ökonom an der North Carolina State University

Richard Warr forscht und lehrt an der North Carolina State University. Für ihn sind die Prognosemärkte nicht allein deshalb interessant, weil sie Wetten auf nahezu jedes Ereignis erlauben. Sondern weil sie im Prinzip ausgefallenen Finanzprodukten ähneln: sogenannten Termingeschäften.

Die Wette weiterverkaufen

Das Interessante an diesen Kontrakten ist für Richard Warr, dass man normalerweise, wenn man auf etwas wettet, seinen Einsatz tätigt und dann darauf wartet, dass das Ereignis eintritt. Bei Polymarket und Kalshi hingegen müsse man nicht warten, bis das Spiel stattgefunden hat, sondern könne die eigene Wette, den eigenen Vertrag in der Zwischenzeit weiterverkaufen. Diese Kontrakte, diese Prognosemärkte, ermöglichten also einen ständigen Handel, bei dem man während des gesamten Zeitraums kaufen und verkaufen sowie seine Position auf- und abbauen kann, sagt Richard Warr.

Unter anderem aufgrund dieser Funktion ziehen Prognosemärkte auch das Interesse der Finanzbranche auf sich. Kristian Fitschen arbeitet als Senior Manager bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG. Für ihn schlummert in Prognosemärkten ungenutztes Potential, das durch die Einsortierung als Glücksspiel in Deutschland verschenkt werde.

"Viel besser wäre es, einfach anständig zu prüfen, ob man hier nicht ein innovatives Finanzinstrument hat, das Banken und Investoren auch zur Risikosteuerung nutzen können."
Kristian Fitschen, KPMG

Die US-amerikanische Finanzaufsichtsbehörde CFTC folgt dieser Interpretation. Nur sorgt die Einordnung von Prognosemärkten als Finanzmärkte für das nächste Problem. Denn für Finanzmärkte gelten strenge Regeln, was die Nutzung von Insiderinformationen angeht.

Lässt sich das Problem des Insiderhandels bei Prognosemärkten beheben? Die Antwort hört ihr im Podcast.

Habt ihr auch manchmal einen WTF-Moment, wenn es um Wirtschaft und Finanzen geht? Wir freuen uns über eure Themenvorschläge und Feedback an whatthewirtschaft@deutschlandfunknova.de.

Shownotes
Polymarket und Kalshi
Glücksspiel, Finanzinnovation und Insider-Trading
vom 26. März 2026
Hosts und Autor*innen: 
Marcus Wolf und Bo Hyun Kim
Gesprächspartner: 
Richard Warr, Ökonom an der North Carolina State University
Gesprächspartner: 
Kristian Fitschen, Unternehmensberatung KPMG
Redaktion: 
Michael Böddeker
Faktencheck: 
Merle Körber und Jule Dieterle
Produktion: 
Choukri Gustmann
Die Quellen zur Folge: