In Großbritannien dreht sich schon länger fast alles um den Brexit. Da kann man schon einmal vergessen, dass man noch Teil der EU ist und die EU-Kommission über neue Gesetze informieren muss. London hat das versäumt. Deshalb verschiebt sich wieder Porn Block: Mit diesem Filter wird das Alter der Nutzer überprüft, damit Jugendliche und Kinder keine pornografischen Inhalte im Netz ansteuern können. Das Gesetz dazu wird weiterhin kritisiert, so unser Reporter Andreas Noll.

Porn Block ist auch ein Projekt von David Cameron, dem ehemaligen Premierminister Großbritanniens. Der Ex-Premier hat auch das Referendum zum Brexit angestoßen.

Vor sechs Jahren kündigte er einen Filter für Online-Pornos an. Mit dem sogenannten Porn Block soll es eine verpflichtende Altersüberprüfung der Nutzer geben.

Porn Block soll unter 18-Jährige schützen

Damit wollte Großbritannien als erstes Land weltweit Kinder und Jugendliche durch eine verbindliche Altersüberprüfung daran hindern, dass sie sich im Netz Pornos anschauen können. Die Überprüfung soll per Scan des Ausweises oder Führerscheins möglich sein. In der Diskussion sind aber auch eine Art Porno-Pässe, die die User dann am Zeitungskiosk kaufen könnten, so unser Reporter Andreas Noll.

Das Gesetz wurde immer wieder verschoben, weil es immer wieder neue Fragen gab. Zum Beispiel: Welche Inhalte sind eigentlich obszön? Im Frühjahr wurde darüber diskutiert. Denn mit Porn Block sollten auch bestimmte "nicht konventionelle Sex-Praktiken" komplett zensiert werden - auch für Erwachsene. Aber was ist eine nicht-normale Sex-Praktik? Das gesellschaftliche Verständnis darüber hat sich in den vergangenen Jahren sicherlich verändert. Die Folge der Diskussion? "Der Zensur-Teil des Gesetzes wurde stark eingedampft", sagt Andreas Noll.

Porn Block greift nur bei kommerziellen Angeboten

Es gibt noch ein grundlegendes Problem: Porn Block gilt allein für Firmen, die pornografische Inhalte auf kommerzieller Basis anbieten. Dazu gehören auch alle kostenfreien Porno-Seiten, die Werbung schalten, wie Youporn und Co. Aber alle anderen Seiten, die pornografische Inhalte auch ohne Werbung anbieten, fallen nicht unter Porn Block. Das betrifft auch das Teilen von Pornos oder soziale Medien wie Twitter. Jugendliche und Kinder unter 18 können also weiterhin problemlos auf pornografische Inhalte zugreifen. Das kritisiert zum Beispiel die Bürgerrechtsorganisation Open Rights Group.

"Porn Block gilt nur für Firmen, die pornografische Inhalte auf kommerzieller Basis anbieten."
Andreas Noll, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Die Porno-Branche ist natürlich auch nicht zufrieden mit dem Filter. Indem sich die User erst irgendwie authentifizieren müssen, können sie auf freien Seiten direkt Pornos konsumieren.

Die Kritik an Porn Block geht noch weiter: Denn alle Webseiten, auf denen die Porno-Inhalte nicht mehr als 30 Prozent des Gesamtangebots ausmachen, fallen nicht unter das Gesetz. Außerdem ist die Frage, wie wirksam Porn Block am Ende sein wird. Über VPN, also virtuelle private Netzwerke, lässt sich Porn Block anscheinend umgehen, so Andreas Noll.

"Besonders wirksam ist Porn Block am Ende vermutlich auch nicht. Über VPN wird sich der Filter wohl umgehen lassen."
Andreas Noll, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Hinzu kommt, dass die Regierung in London den Start von Porn Block nochmal verschieben muss. Denn man hat es versäumt, die EU-Kommission in Brüssel über das Projekt zu informieren, so Andreas Noll. Aber vielleicht bleibt dann Zeit, um über den einen oder anderen Aspekt des Filters nochmal nachzudenken.