Im Elfenbeinturm ist es gar nicht so schön, jedenfalls nicht für junge Wissenschaftler. Sie müssen sich mit befristeten Verträgen, unsicheren Perspektiven und mauen Bezahlungen herumschlagen. Das Postdoc-Stipendium soll ihnen helfen.

Viele Studierende liebäugeln mit einer Karriere in der Wissenschaft oder denken zumindest über diese Möglichkeit nach. Die Bachelor-Arbeit fertig schreiben, den Master nachschieben und schließlich für die Promotion jahrelang ganz tief in ein Thema reinknien und forschen. Und was machen die jungen Frauen und Männer danach mit ihrem Doktortitel? Wie geht es für die Postdocs weiter?

Es sieht nicht gut aus für junge Wissenschaftler. Der Bundesbericht Wissenschaftlicher Nachwuchs stellt fest, dass mehr als 90 Prozent der Postdocs nur eine befristete Stelle an einer Hochschule bekommen - und davon ist ungefähr die Hälfte auf nur ein Jahr oder sogar nur wenige Monate befristet. Für die betroffenen Forscher ergibt sich so eine ziemlich unsichere persönliche Perspektive. Sie wissen nicht, ob sie nach fünf Jahren voller befristeter Verträge endlich eine feste Stelle oder sogar eine begehrte Professur bekommen können.

"Das größte Problem ist: Die Karrierewege an Hochschulen sind unberechenbar, lange und steinig."
Andreas Keller von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft

Dieser steinige Karriereweg sorgt dafür, dass der Uni viele gute Wissenschaftler verloren gehen. "Das führt dazu, dass sich viele qualifizierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler genau überlegen, ob sie sich auf dieses Wagnis Wissenschaft überhaupt einlassen sollen", sagt Andreas Keller von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft. Gute Absolventen mit Doktortitel in der Tasche suchen ihr Glück also in der freien Wirtschaft oder machen sich selbstständig. 

Deutschlandfunk-Nova-Reporter Armin Himmelrath fasst zusammen:

  • Die guten Forscher kommen nicht an die Unis
  • Die Forscher, die trotzdem an die Uni gehen, wissen nicht, ob sie dort bleiben können

Postdoc-Stipendium soll helfen

Die jungen Wissenschaftler mit Doktortitel hängen so in einer Job-Sackgasse fest: Sie wissen nicht, wie es weiter geht, und der Wechsel aus einer wackeligen Hochschulkarriere in die Arbeitswelt ist gar nicht so einfach. "Arbeitsfelder außerhalb der Universität gelten häufig als unwissenschaftlich", sagt Armin Himmelrath, Deutschlandfunk-Nova-Reporter. Auch darum sind Projekte wie das Postdoc-Stipendium der Volkswagen-Stiftung noch nicht sehr erfolgreich. 

Das Stipendium richtet sich an fertig promovierte Wissenschaftler, die ihre nächste große Arbeit schreiben, ihre Habilitation: Sie können sieben Monate außerhalb der Uni arbeiten, Soziologen können zum Beispiel an die Landeszentralen für politische Bildung gehen, an ihrem Thema weiter arbeiten, aber auch in den normalen Arbeitsmarkt reinschnuppern. Doch auf die sechs Plätze gab es bisher gerade mal 20 Bewerbungen. "Für den Wissenschaftsbereich ist das erschütternd wenig", sagt Armin Himmelrath.

"Das Postdoc-Stipendium ist eigentlich ein spannendes Angebot. Aber die Nachfrage nach dem Stipendium ist trotzdem ziemlich mau."
Armin Himmelrath, Deutschlandfunk Nova

Selbst bei den Professoren gibt es Vorbehalte gegen das Postdoc-Stipendium, sagt Armin Himmelrath: "Im Zweifelsfall ist dann die Verlängerung des Arbeitsvertrages in Gefahr." Wenn ein Betreuer kritisch eingestellt ist, wird schließlich kein abhängiger Wissenschaftler sagen: "Egal, ich mache das trotzdem!" Dazu ist das ganze wissenschaftliche System zu hierarchisch aufgebaut und die Abhängigkeiten zu groß.

"Da muss eine Universität eine klare Ansage machen, wenn sie Postdoc-Leute rekrutiert, dass die dann auch eine Perspektive bekommen."
Andreas Keller von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft

Es bleibt also schwierig für junge Wissenschaftler, ihre Hochschulkarriere zu planen. Doch eine gewisse Sicherheit brauchen sie, fordert Andreas Keller von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft. "Die müssen dann nicht alle zwingend Professoren werden, die können auch andere Karriereoptionen angeboten bekommen." Eine entfristete Assistenzprofessur sei beispielsweise eine Möglichkeit.

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