Ariana Grande hat ein Foto ihres Hirnscans auf Instagram veröffentlicht. Es zeigt, dass Teile des Gehirns der Sängerin stark aktiv sind: Sie leidet unter einer Posttraumatischen Belastungsstörung. Wie aussagekräftig ein solcher Scan ist, weiß Neurowissenschaftler Henning Beck.

Die US-amerikanische Sängerin Ariana Grande hat in den vergangenen Jahren Traumatisches erlebt: 2017 wurde bei einem ihrer Konzerte in Manchester ein Attentat verübt – 22 Menschen starben, mehr als 100 wurden verletzt. Und im September 2018 starb ihr Ex-Freund Mac Miller an einer Überdosis.

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Der Sängerin wurde eine Posttraumatische Belastungsstörung diagnostiziert. In einer Instagram-Story postete sie zum Beweis einen Scan ihres Gehirns: Der Scan zeigt, dass manche Regionen ihres Gehirns stark aktiv sind. Auf dem Bild sind zum Vergleich zwei weitere Scans zu sehen: Einer eines anderen Menschen mit einer Posttraumatischen Störung und ein Scan eines vermeintlich nicht belasteten Gehirns. Ariana Grandes Gehirn scheint mit Abstand am aktivsten.

Ein Scan genügt nicht zur Diagnose

Auch unser Neurowissenschaftler Henning Beck sagt: Das dargestellte Gehirn ist sehr aktiv. Allerdings sei es wichtig, folgende Dinge zu wissen: Wo kommt das Bild her? Wer hat es gemacht? Und welche Methode wurde verwendet?

"Das ist schon ein sehr krasses Bild. Das Gehirn ist da schon sehr stark aktiv."
Henning Beck, Neurowissenschaftler

Henning Beck hält es für durchaus möglich, dass Ariana Grande eine Posttraumatische Belastungsstörung haben könnte. Und das Gehirn sei ein wichtiger Anhaltspunkt, aber für eine solche Diagnose sei mehr als ein Bild nötig: Gespräche mit der Patientin zum Beispiel und weitere Untersuchungen. Hat sie zum Beispiel andere Stressreaktionen? Wie geht sie mit Bildern um, die ihr gezeigt werden?

"Anhand von einem Bild abzuleiten: Jemand hat eine Krankheit oder nicht, das ist meistens gar nicht so einfach."
Henning Beck, Neurowissenschaftler

Davon abgesehen kann es hilfreich sein, in das Gehirn zu schauen, wenn eine Krankheit dieser Art diagnostiziert wurde. So kann die Ärztin oder der Arzt eventuell besser bestimmen, wie extrem die Patientin oder der Patient belastet sind.

Belastungsstörungen sind im Gehirn sichtbar

Was wir denken, wie wir fühlen, schlägt sich auch in der Art nieder, wie ein Gehirn denkt – und welche Gehirnreaktionen beim Denken aktiviert werden, sagt Henning Beck. Es sei durchaus möglich, die Art des Denkens oder psychische Probleme am Gehirn abzulesen.

"Tatsächlich ist es so, dass auch psychische Belastungsstörungen, wie ein solcher Fall, nicht spurlos an einem Gehirn vorbeigehen."
Henning Beck, Neurowissenschaftler

Die Gürtelrinde ist zum Beispiel vor allem für die emotionale Verarbeitung zuständig. Eine andere Region ist der Mandelkern, der für schnelle emotionale Reaktionen verantwortlich ist. Weitere Regionen steuern Routineverhalten oder die Wahrnehmung der Außenwelt. Bei der Posttraumatische Belastungsstörung wird davon ausgegangen, dass diese verschiedenen Gehirnareale, die unsere Emotionen gewissermaßen steuern, überreguliert sind. Wenn wir immer wieder von einer negativen Erinnerung belastet sind, können diese Regionen übererregt sein und ins Ungleichgewicht kommen.

"Solche Erkrankungen kann man angehen. Da kann man sich Hilfe holen, weil es im Gehirn eine Möglichkeit gibt, dafür anzusetzen."
Henning Beck, Neurowissenschaftler

Einen Beinbruch sieht man äußerlich, eine psychische Erkrankung meistens nicht: Ein Hirnscan kann uns anschaulich zeigen, dass aber auch letztere Erkrankung Spuren hinterlässt – unabhängig, wie genau der jeweilige Scan ist. Viele psychische Erkrankungen sind organisch, sagt Henning Beck. Da passiere etwas im Gehirn, was behandelt werden könne.