Um 20 Uhr schließen heute die letzten Wahllokale in Frankreich. Direkt im Anschluss werden die ersten Hochrechnungen mit Spannung erwartet: Wird es ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Emmanuel Macron und Marine Le Pen? Wir schauen auf die Wahl und auf die Entwicklung der politischen Verhältnisse der vergangenen Jahre.

Der öffentlich-rechtliche Sender France 2 wird live über die Hochrechnungen berichten. Zum ersten Mal in der Geschichte der 5. Republik stehen sich in der Stichwahl um das höchste Staatsamt in Frankreich zwei Kandidaten gegenüber, die keiner der beiden etablierten Parteien angehören. Sozialisten und Konservative haben seit 1958 den Präsidenten gestellt. In diesem Jahr scheiterten ihre Kandidaten bereits im ersten Wahlgang und die beiden Parteien befinden sich in einem desolaten Zustand. 

Das Ende der etablierten Parteien?

Mit Emmanuel Macron tritt ein überzeugter Pro-Europäer gegen die Chefin des rechtsextremen Front National an. Marine Le Pen will die EU verlassen, dem Euro den Rücken kehren und eine Politik nach dem Motto "Frankreich zuerst" machen. "La France d'abord" oder eine Europa freundliche Politik - das sind die extremen Pole im Wahlkampf, die die tiefe Spaltung des Landes verdeutlichen. Egal, wer gewinnt, es stehen tiefgreifende Reformen und Umwälzungen sowohl in Frankreich als auch in der EU an: Denn auch Emmanuel Macron will die EU reformieren und attraktiver machen. 

Richtungswahl für Europa

Die Wahl in Frankreich ist also in doppelter Hinsicht von großer Bedeutung. Ein Wahlsieg von Marine Le Pen stellt die EU und die Euro-Zone insgesamt in Frage, während ein Wahlerfolg von Emmanuel Macron einen tiefgreifenden Veränderungsprozess auslösen dürfte.  

Außerdem hört ihr noch in Eine Stunde History:

  • Konstanze Fischer, deutsch-französische Journalistin, spricht über die soziale Lage in einigen französischen Großstädten und den Reformbedarf in Frankreich insgesamt.
  • Jürgen König, Deutschlandfunk-Korrespondent, berichtet über den Wahltag und erste Hochrechnungen.
  • Matthias von Hellfeld, Deutschlandfunk Nova-Geschichtsexperte, spricht über die fünf französischen Republiken seit 1792.