Die Inflation in Deutschland liegt gerade bei etwa zehn Prozent. Da kommen viele Dinge zusammen: Es kommt kein Gas mehr aus Russland. Dadurch ist die Energie knapp und teurer geworden. Bei manchen Waren steigen aus diesem Grund auch die Produktionskosten. Und das macht sich dann in den Preisen bemerkbar. Allerdings: Manche Produkte sind deswegen teurer geworden, weil die Unternehmen, die Preise einfach so angehoben haben. Zu diesem Ergebnis kommt eine Auswertung des Ifo-Instituts.

Joachim Ragnitz, stellvertretender Leiter des Ifo-Instituts in Dresden, erklärt, dass er und seine Kolleg*innen untersucht haben, wie hoch die Preissteigerungsraten in verschiedenen Branchen sind. Die haben sie dann mit den Vorleistungspreisen verglichen – also damit, was die Unternehmen für Rohstoffe und Produktion ausgeben müssen. "Und da kommt dann eben heraus, dass in einzelnen Wirtschaftsbereichen die Absatzpreise stärker gestiegen sind als das, was man hätte erwarten können", sagt Joachim Ragnitz, "das bedeutet, dass dort offensichtlich die Gewinne angestiegen sind."

"Das deutet daraufhin, dass dort die Verbraucher ein bisschen mehr zahlen müssen als es eigentlich notwendig wäre."
Joachim Ragnitz, Leiter des Ifo-Instituts in Dresden

Das betreffe die Landwirtschaft, das Baugewerbe und vor allem auch den Handel. Ein Beispiel: Der Weltmarktpreis für Weizen ist in diesem Jahr gestiegen, und daran orientieren sich die Landwirte, obwohl sie für Düngemittel oder Saatgut vielleicht gerade noch keine so hohen Kosten zahlen. "Da steigen dann die Gewinne an. Das ist natürlich temporär, weil irgendwann müssen sie auch höhere Kosten für Düngemittel und so weiter bezahlen", sagt Joachim Ragnitz, und dann reduzierten sich die Gewinner auch wieder.

Eine Marktwirtschaft darauf beruht, dass Unternehmen Gewinne machen dürfen, erklärt der Wirtschaftswissenschaftler. Außerdem: "Man kann es den Unternehmen jetzt nicht wirklich verdenken, weil die Verbraucher können ja gar nicht beurteilen, wie hoch die Kosten tatsächlich gestiegen sind. Dass die Unternehmen dann durchaus erstmal versuchen, noch ein bisschen mehr draufzuschlagen, kann man verstehen."

Regulierung durch die Verbrauchenden

Insgesamt könne man an der Situation wenig ändern. Eine Übergewinnsteuer hält der Ökonom für nicht praktikabel, weil die Preissteigerungen bei so vielen Produkten zu beobachten sind. Jeden einzelnen Artikel zu überprüfen, sei so gut wie unmöglich. Joachim Ragnitz glaubt, dass die Verbraucher*innen selbst eher wie eine Stellschraube funktionieren könnten: Wenn sie konsequent zu den günstigeren Produkten greifen würden, regulierten sich die Preise durch den Wettbewerb am Ende selbst.

"Das ist etwas, wo jeder einzelne Verbraucher dann auch sagen muss: Bin ich bereit, für ein halbes Pfund Butter 3,29 Euro zu zahlen? Oder nehme ich dann doch lieber die Butter für 2,29 Euro?"
Joachim Ragnitz, Leiter des Ifo-Instituts in Dresden

Die Prognosen für das kommende Jahr gehen davon aus, dass die Preissteigerungsraten dann nicht mehr ganz so hoch liegen werden wie 2022 – Expert*innen schätzen sie auf etwa sechs Prozent. Das Preisniveau werde aber weiterhin hoch sein, so Ragnitz, was sich auch im kommenden Jahr auf die Kaufkraft auswirken werde.

  • Kurz und Heute
  • Moderatorin:  Steffi Orbach
  • Gesprächspartner:  Joachim Ragnitz, stellvertretender Leiter des Ifo-Instituts in Dresden