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Über das Vorsorgen für alle möglichen Arten von Krisen wird heute mehr geredet als darüber, diese Krisen zu verhindern. Das ist ein historischer Paradigmenwechsel. Ein Vortrag des Historikers Jonathan Voges.

Ob Epidemie, Stromausfall oder Krieg, wir sollten uns auf alle möglichen Arten von Katastrophen vorbereiten. Solche Aussagen hört man heute immer häufiger. "Wenn etwas passiert, ist es besser, vorbereitet zu sein." So steht es zum Beispiel auf der Website des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK).

"Besonders frappierend ist vielleicht, mit welcher Selbstverständlichkeit der Kriegsfall inzwischen wieder in die Katastrophenplanung einbezogen wird."
Jonathan Voges, Historiker

Jede*r sollte Essensvorräte für drei oder zehn Tage anlegen, wichtige Dokumente bereithalten sowie Batterien und Medizin einlagern – um besser gewappnet zu sein für die möglichen Katastrophen, die kommen könnten. Dazu gehört seit wenigen Jahren auch ein möglicher Krieg.

Nicht immer war die Katastrophenvorsorge so prominent wie heute, sagt Jonathan Voges. Er ist Historiker am Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung in Potsdam und forscht zum Thema Preparedness. Das ist der Fachterminus für die Vorsorge für den Katastrophenfall.

Der Fokus auf Preparedness ist ein Paradigmenwechsel

In seinem Vortrag erklärt Jonathan Voges, warum die Rede von Preparedness ein historischer Paradigmenwechsel ist: Denn während früher mehr darüber geredet wurde, was man tun muss, um mögliche Katastrophen zu verhindern, werden Katastrophen heute in Politik und Gesellschaft für unvermeidbar gehalten.

Die Sicherheitskultur habe sich seit Ende des Kalten Krieges und vor allem seit den frühen 2000er Jahren gewandelt. Der Fokus auf Preparedness habe sich im Laufe der 1990er und 2000er Jahre langsam entwickelt, erzählt Voges anhand von Beispielen.

"Mit Preparedness steht ein Schlüsselbegriff zur Verfügung, um diesen Wandel der Sicherheitskultur beschreibbar und zeithistorisch interpretierbar zu machen."
Jonathan Voges, Historiker

Diese Entwicklung spiegelt wider, wie sich unsere Einstellung auf die Zukunft und unsere Sicherheitskultur verändert haben. Preparedness, sagt Jonathan Voges, eignet sich daher als zeithistorischer Begriff, der unsere gegenwärtige Epoche treffend beschreibt.

Jonathan Voges ist Privatdozent am Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam (ZZF). Sein Vortrag hat den Titel "'Für den Notfall vorgesorgt'. Preparedness als Zugriff auf die Zukunft". Er hat ihn am 16. Oktober 2025 am ZFF in Potsdam gehalten.

Shownotes
Preparedness
Vorsorgen für die Katastrophe
vom 01. Januar 2026
Moderation: 
Sibylle Salewski
Vortragender: 
Jonathan Voges, Historiker, Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam (ZZF)
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