Hoch verschuldet und nix geht mehr! Die einzige Lösung: Privatinsolvenz anmelden. Sechs Jahre lang sparsam leben, abbezahlen, erst dann sind Betroffene wieder "schuldenfrei." Geht es nach der Justizministerin, soll das bald schneller gehen.

Monat für Monat, Jahr für Jahr – wer Schulden hat und Privatinsolvenz anmeldet, muss für sechs Jahre so viel abbezahlen, wie er kann. Betroffene müssen den Teil ihres Gehalts, der über das Existenzminimum hinausgeht, abgegeben. Eigentum kann gepfändet werden. Nach sechs Jahren werden die Restschulden dann erlassen – egal, ob alles abbezahlt wurde oder nicht.

"Sechs Jahr sind zu lang"

Für das Bundesjustizministerium sind sechs Jahre zu lang. Künftig soll jemand, der Privatinsolvenz anmeldet, schneller wieder schuldenfrei sein. Geht es nach Bundesjustizministerin Christine Lambrecht, schon nach drei Jahren. Das hat sie in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung gesagt.

Sie begründet das mit einer EU-Richtlinie, die bis 2021 umgesetzt werden soll. Diese richtet sich bislang nur an Unternehmen, nicht aber an Privatpersonen. Das soll sich jetzt ändern: Auch Verbraucher sollen schneller die Chance auf einen schuldenfreien Neuanfang bekommen, sagt die Ministerin der FAZ. Auch Max Postulka begrüßt den Vorschlag. Er ist Fachanwalt für Insolvenzrecht.

"Ich denke, dass der Vorschlag insgesamt gut ist, weil er ja jetzt keine Eigeninitiative von Deutschland ist, sondern auf die EU-Richtlinie reagiert."
Max Postulka, Fachanwalt für Insolvenzrecht

Von dem Vorschlag der Ministerin würde aber nicht jeder profitieren, sagt Max Postulka. Für alle, die Schulden haben, sei das positiv. Für alle, die darauf hoffen, Geld zurückgezahlt zu bekommen, negativ. In anderen EU-Ländern stehen Gläubiger aber noch schlechter da: In Spanien sind Betroffene nach maximal 18 Monaten schuldenfrei, in Frankreich und England schon nach einem Jahr.

"Das ist für die Gläubiger sehr hart, aber für die verschuldeten Menschen ist es natürlich eine attraktive Alternative."
Max Postulka, Fachanwalt für Insolvenzrecht

Durchschnittlich sind Betroffene in Deutschland mit rund 30.000 Euro verschuldet, wenn sie Privatinsolvenz anmelden. Je älter die verschuldete Person ist, desto höher ist meist der Schuldenberg. Unter 25-Jährige sind laut Statistik mit knapp 11.000 Euro verschuldet. Ihnen gelinge es häufig, schon nach drei Jahren die restlichen Schulden erlassen zu bekommen.