Auch kleine, regelmäßige Einkäufe, können Haufen bilden. Die belasten dann das Gewissen. Ein Tütensuppen-Geständnis und eine persönliche Suche nach einfachen Gegenmitteln.

In den Schubladen, Schränken, Regalen und Kellern finden sie sich: Piles of Shame. Ungebrauchte Konsumgüter, in denen sich quasi gleich haufenweise Konsumscham materialisiert. Ansammlungen von Filmen, Musik, Computerspielen und Brettspielen. Sie sind gekauft, aber nie ihrer eigentlichen Bestimmung zugeführt worden. Unnützer Kram, der vom Wunschgegenstand zum Krempel geworden ist. Ursprünglich bezieht sich Pile of Shame auf Medien aller Art.

Konsum ist ein bisschen Glück

Eine ausufernde Sammlung von Fertiggerichten und Tütensuppen ist Christians "Pile of Shame" – denn unserem Reporter fällt es schwer, im Asia-Supermarkt an den knisternden, bunten Packungen vorbeizugehen. Immerhin ist dieses Zeug essbar.

"Zum Beispiel das Päckchen vegane Hot-Chicken-Ramen. Da ist ein Huhn drauf, das weint, weil es so scharf ist. Welcher Unmensch kann da vorbeilaufen?"
Christian Schmitt, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Brettspiele sind ein weiteres, allerdings unverdauliches Problem in Christians Wohnung. Auch immaterielle Güter hat er unnötigerweise angehäuft. Das Rezepte-Abo der New York Times, ungenutzt. Dann sind da auch noch diese überflüssigen TV-Abos. Der Neurowissenschaftler Henning Beck hat dafür eine einfache Erklärung: Ein bisschen mehr Besitz sei immer gleichbedeutend mit ein bisschen mehr Glück, meinen wir manchmal.

"Wenn du ein bisschen mehr hast, als du vorher hattest: dieser Unterschied wird dem Gehirn quasi als Glücksgefühl vermittelt."
Henning Beck, Neurowissenschaftler

Christian hat Spaß daran, Dinge zu erjagen, das bedeutet meistens sie zu kaufen. Auch das Kaufen erfüllt eine Funktion. Es gibt den Menschen ein Gefühl von Kontrolle, sagt Henning Beck. Kaufen sei immer auch eine Form von Kontrolle. Kontrolle zu gewinnen, gebe uns ein Gefühl der Sicherheit. Ein positives Gefühl.

Der Neurowissenschaftler kann sich vorstellen, mit klaren Regeln diese "Piles of Shame" abzuschmelzen. Er nennt beispielsweise die folgenden:

  • Klamotten entsorgen, die in den letzten 24 Monaten nicht getragen worden sind.
  • Gegenstände entsorgen, die in den letzten zwei Monaten unberührt geblieben sind.
"Wenn man klare Regeln hat, wann man etwas behält, dann hilft das, eine Struktur zu finden."
Henning Beck, Neurowissenschaftler

Christian hat sich vorgenommen, diese Vorschläge zu beherzigen. Er wird seine asiatischen Impulskauf-Nudelsuppen nach Ablaufdatum sortieren und nimmt sich vor, wöchentlich mindestens eine zu essen. Er sagt: "Ich freue mich drauf, auch weil so der 'Pile of Shame' schrumpft. Das wird gut und lecker."

Abwarten kann hilfreich sein

Damit solche Anhäufungen in Zukunft nicht erst wieder entstehen, empfiehlt Henning Beck, Kaufentscheidungen zu überschlafen. Von völliger Askese rät er aber ab. Ist der Kaufwunsch auch nach guter Überlegung noch da, dann sei es auch richtig, ihm nachzugeben.

"Man kann sagen, bevor ich etwas kaufe, gehe ich immer erstmal nach Hause und schlaf nochmal drüber. Immer. Egal was es ist."
Henning Beck, Neurowissenschaftler
  • Update
  • Moderatorin:  Sonja Meschkat
  • Autor:  Christian Schmitt, Deutschlandfunk-Nova-Reporter