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Wer günstig produzieren will, geht nach China – vielleicht auch nach Nordafrika. Das ist seit etlichen Jahren so. In letzter Zeit verlagern manche Unternehmen ihre Produktion aber wieder zurück nach Europa. Grund dafür sind eine Reihe von Unsicherheiten und gestiegene Kosten.

Der Trend zeichnet sich im Prinzip schon seit der Finanzkrise 2008 ab, sagt Dalia Marin, Professorin für internationale Wirtschaft an der TU München: Unternehmen, die zuvor in internationalen Lieferketten agierten, holen die Produktion wieder nach Europa zurück.

Unsicherheiten bei den Unternehmen

Vermehrt tritt dieses Phänomen aber seit der Corona-Krise auf, beobachtet sie. Als Grund nennt die Volkswirtin unter anderem, dass die Unternehmen gemerkt haben, dass die Produkte teilweise einfach nicht ankommen.

"Die gestiegenen Unsicherheiten lassen die Firmen ihr Geschäftsmodell neu überdenken."
Dalia Marin, Professorin für internationale Wirtschaft an der TU München

Als Beispiel nennt Dalia Marin Halbleiter, die sowohl in der Auto- als auch in der Elektroindustrie dringend benötigt werden. In der Corona-Krise gebe es eine regelrechte Knappheit.

"Halbleiter sind in jedem Handy, aber auch in jedem Auto."
Dalia Marin, Professorin für internationale Wirtschaft an der TU München

In etlichen Firmen würden wegen der Halbleiterknappheit aktuell die Bänder stillstehen, berichtet Dalia Marin. Dass die Ware nicht geliefert, beziehungsweise importiert werden konnte, liegt wiederum an einer Dürre in Taiwan, sagt sie.

Gestiegene Transportkosten

Und noch ein Aspekt komme hinzu: Die Transportkosten sind enorm gestiegen, berichtet die Volkswirtin. Die Kosten für Container hätten sich in der Pandemie fast verzehnfacht. Hochgerechnet lohnt sich die Produktion im nicht-europäischen Ausland dann einfach nicht mehr, wenn der Transport letztlich genauso viel kostet wie die Löhne in Europa, rechnet sie vor.

"Wenn die Transportkosten für den Import steigen, sind die Lohneinsparungen zunichtegemacht."
Dalia Marin, Professorin für internationale Wirtschaft an der TU München

Neben der Elektroindustrie sind noch die Metall- und die chemische Industrie davon betroffen, dass Zulieferer nicht liefern können.

Auch Ereignisse wie zuletzt im Suez-Kanal befördern die Rückholung der Produktion nach Europa, schätzt Dalia Marin. Die Unternehmen würden sehen, dass auch Naturkatastrophen wir Dürren, Überschwemmungen, Stürme oder Sonstiges – womit in Zukunft ja häufiger zu rechnen sei – dazu führen, dass Transportwege nicht eingehalten werden können. Und längere Transportwege seien dann letztlich auch teurer.

"In Zukunft wird es mehr Klimakatastrophen geben und dann werden die Transportwege vielleicht verschlossen, wie beim Suez-Kanal oder die Schienennetze werden gestört sein."
Dalia Marin, Professorin für internationale Wirtschaft an der TU München

Dies komme als Faktor neben der Unsicherheit, ob die Waren überhaupt geliefert werden und den gestiegenen Transportkosten noch hinzu.

Die Produktion wieder nach Deutschland zu holen, stärke den Wirtschaftsstandort, sagt sie. Damit tue man auch was für die kommende Generation, wenngleich auch damit zu rechnen sei, dass deutsche Produkte teurer werden.