Ab 1,6 Promille darf man nicht mehr aufs Rad steigen. Das entspricht bei einer durchschnittlichen weiblichen Fahrradfahrerin in etwa zwei bis drei Gläsern Wein (0,2 Liter). Einige Experten wollen die Grenze jetzt auf 1,1 Promille senken. Zu ihnen gehört Kurt Bodewig, Präsident der Deutschen Verkehrswacht und von 2000 bis 2002 Bundesverkehrsminister.

Weniger Unfälle, weniger Tote, mehr Sicherheit - das sind auch in diesem Jahr die wichtigsten Ziele, die auf dem Deutschen Verkehrsgerichtstag ab dem 28.01.2015 in Goslar besprochen werden. Nur: Wie sind die zu erreichen? 1900 Experten beraten in acht Arbeitskreisen über aktuelle Verkehrsthemen und sprechen anschließend Empfehlungen für den Gesetzgeber aus. Eine Idee, die im Raum steht: das Absenken der Promillegrenze für Radfahrer.

1,1 Promille als zusätzliche Schwelle

"Man trinkt und wird sofort zum Straftäter. Wir brauchen eine Schwelle darunter."
Kurt Bodewig, Präsident der Deutschen Verkehrswacht

Der Verkehrssicherheitsrat, die deutsche Verkehrswacht und mehrere Verkehrsclubs fordern die Einführung einer 1,1-Promille-Grenze, ab der Fahrradfahrer zumindest mit einem Ordnungswidrigkeiten-Verfahren rechnen müssten. Diese Grenze käme zur bereits geltenden 1,6 Promillegrenze hinzu - mit diesem Alkoholgehalt im Blut begeht man juristisch gesehen eine Straftat. Es gebe aber bereits vorher drei signifikante, durch mehrere Studien belegte Stufen, so Bodewig.

"Ab 0,5 ‰ ist die Sehfähigkeit eingeschränkt. Ab 0,8 ‰ verringert sich das Reaktionsvermögen um die Hälfte. Und ab 1,1 ‰ verliert man die Kontrolle über das Fahrverhalten."
Kurt Bodewig

Der "Auto Club Europa" hat 2010 eine Studie veröffentlicht, nach der Fahrradfahrer häufiger betrunken aufs Rad steigen als Autofahrer in ihr Auto. Bei jedem achten Rad-Unfall mit Personenschaden war Alkohol im Spiel. Bei Autounfällen nur bei jedem 22.

Schwelle wie beim Autofahren?

Wenn die Grenze schon gesenkt wird, dann könnte man sie doch eigentlich auch gleich auf 0,5 Promille herabsetzen - wie für Autofahrer. Nein, sagt Kurt Bodewig.

"Die kinetische Energie eines Radfahrers ist deutlich geringer als bei einem Autofahrer. Der fährt mit etwa zwei Tonnen herum und gefährdet in anderer Weise."
Kurt Bodewig