In Frankreich wissen viele Studierende nicht, wie sie über die Runden kommen sollen. Um gegen ihre Geldsorgen zu protestieren, sind sie auf die Straße gegangen. Wie sieht die Situation bei uns in Deutschland aus?

Den 26.11.2019 haben fast alle namhaften französischen Studentenorganisationen zu einem nationalen Aktionstag gegen die Verarmung von Studenten erklärt. Viele Studierende in Frankreich sehen sich nämlich ganz konkret von Armut bedroht, sagt Martin Schütz von Deutschlandfunk Nova. Aus ihrer Sicht ist die staatliche Förderung zu niedrig.

Eine Förderung durch Bafög wie in Deutschland gibt es in unserem Nachbarland nicht, dafür ein Stipendiensystem. Mit diesem sind monatliche Zahlungen von bis zu etwas mehr als 450 Euro drin. Von diesem Geld muss dann neben Wohnung und Essen alles bezahlt werden, was ein Studium so erfordert.

Maximal rund 450 Euro im Monat

Die französische Regierung ist sich des Problems bewusst und hat bereits 2015 eine Studie in Auftrag gegeben. Ergebnis: Jeder Fünfte der französischen Studierenden lebt unter der Armutsgrenze.

"Jeder fünfte der französischen Studierenden lebt unter der Armutsgrenze, hat eine Studie im Auftrag der französischen Regierung ergeben."
Martin Schütz, Deutschlandfunk Nova

Viele Studierende versuchen, sich mit einem zusätzlichen Nebenjob über Wasser zu halten. Zu viel Zeit sollte man mit dem allerdings nicht verplempern, denn das Stipendiensystem ist ziemlich strikt: Wer bestimmte zeitliche Vorgaben für Prüfungen oder Ähnliches nicht einhält, der oder dem kann schnell die Förderung gestrichen werden. Wenn das passiert, fällt das Studium entweder flach oder ein Kredit muss aushelfen – mit all den Problemen, die dessen Rückzahlung später mit sich bringen kann.

Regierung erhöht Förderung bisher nicht

Die Regierung hat die Zahlungen bisher nicht erhöht. Stattdessen verweist sie darauf, dass die Studierenden in Frankreich pro Jahr mit fast 6 Milliarden Euro unterstützt werden. Dabei würden nicht alle Mittel aus dem Topf der Stipendien ausgeschöpft. Immerhin will der französische Staat 60.000 zusätzliche Plätze in Wohnheimen bauen, das hat die zuständige Ministerin bereits angekündigt.

Studiengebühren gibt es in Frankreich übrigens auch, ihre Höhe hängt mit der sozialen Situation der Studierenden zusammen. In bestimmten Fällen werden sie vollständig erlassen.

Situation in Deutschland ähnlich

Auch bei uns in Deutschland leben viele Studierende nah an der Armutsgrenze oder darunter. Geschätzt ist die Situation ähnlich wie in Frankreich, sagt Martin Schütz. Laut Statistischem Bundesamt gelten Singles in Deutschland als arm, wenn sie weniger als 781 Euro im Monat haben. Das meiste Geld müssen viele Studierende für die Wohnung ausgeben, sagt Achim Meyer auf der Heide, der Generalsekretär des deutschen Studentenwerks.

"Insbesondere Studierende, die bis 700 Euro monatlich zur Verfügung haben, müssen einen großen Teil ihrer Einnahmen für die Miete aufwenden: rund 46 Prozent oder knapp 350 Euro. Damit bleibt zum Leben nicht mehr viel übrig."
Achim Meyer auf der Heide, Generalsekretär des deutschen Studentenwerks

Der Bafög-Höchstsatz liegt in Deutschland allerdings deutlich über den 450 Euro in Frankreich. Seit dem Wintersemester 2019/2020 ist er auf 831 Euro gestiegen. Diesen bekommen aber natürlich nicht alle Studierende.

Höherer Höchstsatz, aber weniger Geförderte

Insgesamt bekommen in Deutschland weniger Studierende eine Förderung als in Frankreich. Nicht einmal jede(r) Fünfte erhält Bafög, in Frankreich sind es ein paar mehr, berichtet Martin Schütz. Die meisten Studierenden in Deutschland finanzieren ihr Studium durch einen Mix aus finanzieller Unterstützung durch ihre Eltern und einen Nebenjob. Außerdem gibt es natürlich noch Stipendien, etwa von Parteien, Stiftungen, Kirchen oder dem Staat. Diese sind aber äußerst rar gesät, gerade mal 2 Prozent der Studierenden kommen in den Genuss einer solchen Förderung, berichtet Martin Schütz.

Mit Protesten an den deutschen Universitäten sei aktuell aber eher nicht zu rechnen, sagt Achim Meyer auf der Heide. Die Studierenden seien momentan eher auf andere politische Themen fokussiert – vor allem auf das Klima.