Brauchen Protestbewegungen eine Anführerin wie Greta Thunberg? Nicht unbedingt. Aber wenn Protestpotenzial generell da ist, können sie verstärkend wirken, erklärt ein Protestforscher. 

Auch an diesem Freitag (01.03.) finden wieder die Fridays-for-Future-Proteste statt, bei denen Schüler für besseren Klimaschutz protestieren, statt zur Schule zu gehen (wofür sie auch schon Ärger bekommen haben). Das Besondere an diesem Tag: Greta Thunberg, die Initiatorin dieser Proteste, kommt aus Schweden nach Hamburg, um mitzudemonstrieren.

"Es geht darum, ein Beispiel zu geben: So kann es gehen. So müssen wir in den Konflikt gehen."
Simon Teune, Protestforscher, TU Berlin

Dass die inzwischen weltweit bekannte Klimaschützerin Greta Thunberg, die erst 16 Jahre alt ist, bei der Demonstration dabei ist, verstärkt vermutlich deren Wirkung. Und tatsächlich ist sie für diese Proteste eine Art Gallionsfigur, sagt Simon Teune, Protestforscher an der TU Berlin.

Solche Figuren seien aus zwei Gründen wichtig:

  • Medien haben es einfacher über Protestbewegungen zu berichten, wenn sie mit einer einzelnen Person verbunden sind
  • Personen an der Spitze können mitreißen und zur Projektionsfläche werden für alle, die eine Veränderung wollen

Protestpotenzial muss generell vorhanden sein

Allerdings dürfe der Einfluss auf Einzelpersonen auf gesellschaftliches Engagement nicht überbewertet werden, sagt Simon Teune. Denn sie könnten ihre Wirkung nur dann entfalten, wenn generell schon Protestpotenzial da ist. "Einzelne Personen schaffen keine Protestbewegung."

Ein solches Potenzial sei in Deutschland vorhanden. Seit zehn Jahren gibt es immer wieder Beispiele für große Proteste für Klima- und Umweltschutz.

"Greta Thunberg geht sehr mutig und resolut in diesen Konflikt. Sie sagt: 'Wenn wir jetzt nicht Schluss machen mit dieser Politik, hat es gar keinen Sinn mehr, Politik zu machen, weil wir dann alle untergehen."
Simon Teune, Protestforscher, TU Berlin

Generell haben es Führungspersönlichkeiten bei Protestbewegungen eher schwer, sagt Simon Teune. Seit den Studentenbewegungen gebe es eine starke interne Kritik an Führungsgebaren. Frauen-, anarchistische und autonome Gruppen hätten einen starken Einfluss darauf gehabt, wie sich die Bewegungen organisieren. "Dass sich jemand zum Anführer aufschwingt, ist in Deutschland ziemlich unüblich."

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