Der Protest der Gelbwesten in Frankreich hat sich an Macrons Plänen für höhere Steuern auf Benzin und Diesel entzündet. Ein Forscher sagt: Das hätte auch besser laufen können.

Der Protest der Gelbwesten in Frankreich richtet sich gegen viele Reformen des französischen Staatspräsidenten. Angefangen hat alles mit dessen Ökosteuer auf Benzin und Diesel – geplant zugunsten des Klimaschutzes.

Die Kommunikation des ganzen Vorhabens sei denkbar schlecht gelaufen, sagt der deutsche Forscher Michael Mehling, der an der schottischen Uni Strathclyde Umweltrecht und Umweltmanagement lehrt.

Behutsamere Kommunikation

Klimaschutz müsse man den Bürgern vorsichtig verkaufen, schreibt Michael Mehling auf dem Wissenschaftsportal "The Conversation". Auch wenn die meisten Menschen grundsätzlich etwas gegen den Klimawandel tun möchten – wenn es ans eigene Portemonnaie gehe, komme die Begeisterung, die Welt zu retten, schnell an ihre Grenzen.

Macrons Plan sah vor, das eingenommene Geld in den Staatshaushalt einfließen lassen wollte. "Das geht gar nicht", sagt Michael Mehling. Besser wäre gewesen, Macron hätte erklärt, für was das Geld verwendet werden soll: etwa für Firmen, die etwas für saubere Luft tun oder Solaranlagen in ländlichen Regionen bauen.

Leute nicht so stark belasten und Alternativen anbieten

Besser hätte es laufen können, wenn Einzelne nicht so stark belastet worden wären, schreibt der Forscher Mehling – insbesondere die, die ohnehin schon nicht viel Geld haben. Zudem hätte Macron zeitgleich Alternativen anbieten sollen:

Wenn Benzin und Diesel werden teurer werden, hätte er zum Beispiel dafür sorgen können, dass es mehr Elektro-Zapfsäulen gibt und dass der öffentliche Nahverkehr günstiger wird. Einschränkung hier: In der Stadt gibt es die Alternativen zum Auto, auf dem Land aber nicht.

In Kanada hat es funktioniert

In der Provinz British Columbia in Kanada hat das mit der Ökosteuer aber geklappt: Dort bekommen alle mit geringem oder durchschnittlichem Einkommen als Ausgleich pro Jahr 135 Dollar. Diese Lösung wird von Michael Mehling sehr gelobt, weil alle Seiten – auch die Umwelt – profitieren würden.

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