Seit ihrer Jugend lebt Jennifer Wrona mit ihrer Persönlichkeitsstörung. Vor ein paar Jahren hat sie ihre Erkrankung öffentlich gemacht. Die 24-Jährige postet regelmäßig auf Instagram darüber, wie sie mit ihrer Borderline-Erkrankung umgeht. Instagram sei für sie zur Selbsthilfe geworden, sagt sie.

Dass sie so offen und öffentlich über ihre Krankheit spricht, war damals keine bewusste Entscheidung, erzählt Jennifer Wrona bei Deutschlandfunk Nova. Vor zwei Jahren hat sie der Redaktion des Youtube-Kanals "Die Frage" geschrieben. Es sei um Depressionen gegangen, und die Redaktion habe sie gefragt, ob sie bereit wäre, ihre eigene Geschichte zu erzählen. Spontan sei damals der Reporter zu ihr gekommen. Sie erzählt in dem Video, wie sie mit ihrer Borderline-Erkrankung lebt.

Tabu und Stigma über psychische Erkrankungen brechen

Bis heute haben 600.000 Menschen das Video gesehen. Das Feedback darauf sei überwiegend positiv, erzählt Jennifer. Viele Menschen, einige Bekannte, aber viele Unbekannte, würden ihr schreiben und ihr Herz bei ihr ausschütten.

"Ich hatte wahnsinnig Angst vor negativem Feedback, aber es war genau das Gegenteil. Das hat mich bestärkt, und ich hatte das Gefühl: Krass, die Leute brauchen jemanden, der darüber spricht."
Jennifer Wrona erzählt in einem Video über ihre Borderline-Erkrankung

An den Reaktionen habe Jennifer gemerkt, wie wichtig es für die Menschen sei, dass sie über ihre psychische Erkrankung spricht und erzählt, wie sie damit lebt. Deshalb habe sie den Entschluss gefasst, auf Instagram über ihren Alltag zu berichten. Ihr Account heißt @limelu.

"Das möchte ich betonen, ich bin keine Therapeutin, das ist nicht mein Job. Wenn Leute mir ihre Geschichten erzählen, weise ich immer darauf hin."
Jennifer Wrona erzählt in einem Video über ihre Borderline-Erkrankung

Jennifer Wrona sieht in ihrem Instagram-Account einen Ort der Selbsthilfe. Menschen mit psychischen Erkrankungen könnten ihre Posts lesen und daraus für sich Erkenntnisse und Hilfestellungen ziehen. Die Follower könnten ihr zusehen, was sie mache, sich damit identifizieren. "Und vielleicht auch denken: Wenn Jennifer mit dieser Krankheit leben kann, ist es vielleicht gar nicht so schlimm", sagt sie. Jennifer betont aber ausdrücklich, dass sie keine Therapeutin ist.

"Es geht mir darum, dieses Tabu und Stigma zu brechen und zu sagen: Hey, das ist wie eine Grippe oder Krebserkrankung. Es gibt einfach schwere Erkrankungen und die können sowohl körperlich wie auch psychisch sein."
Jennifer Wrona postet auf Instagram über ihre Borderline-Erkrankung

Für sich selbst habe Jennifer die Regel aufgestellt, dass ihre eigene psychische Gesundheit an oberster Stelle stehe. Es könnten Tage und Wochen vergehen, in denen sie keine Lust habe, über Mental Health zu reden. Dann würde sie einfach Alltägliches aus ihrem Leben posten. Es komme auch vor, dass sie zu einem bestimmten Thema mehrere Nachrichten bekomme, die sie dann in einem Post zusammenfasst, wenn sie das Gefühl hat, dass ihre Follower dadurch einen "Mehrwert" haben.

"Ich weiß, dass es Auswirkungen hat, wie ich poste auf Instagram. Die Regel, dass ich nach mir selber schaue und es mir gut geht, ist mir aber wichtiger als Klicks oder Zahlen."
Jennifer Wrona über ihren Insta-Account @limelu

Oft bekommt Jennifer von ihren Followern ganz persönliche Nachrichten, erzählt sie. Viele würden ihr auch schreiben, dass die Posts auf @limelu ihnen helfen, sich selbst besser zu verstehen, Hilfe anzunehmen oder sogar den Schritt in eine Klinik zu wagen. Nachrichten, die Jennifer berühren und sie darin bestätigen, dass sie mit ihren Posts ein wenig helfen kann.

"Wahnsinnig viele Leute schreiben mir, dass ich ihnen geholfen habe, sich selber besser zu verstehen."
Jennifer Wrona über ihren Insta-Account @limelu
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Dabei ist Instagram eher ein Portal, auf dem Menschen ihre perfekten Urlaubsbilder inszenieren. Trotzdem passe Instagram zum Thema Depressionen und Persönlichkeitsstörungen, sagt Jennifer, denn sie wolle bewusst mit ihren Posts gerade diese "perfekte Welt" durchbrechen.

Jennifer hat das Ziel, mit ihren Posts mehr Authentizität auf Instagram zu erzeugen und zu zeigen, dass das Leben mehr als nur Urlaubsfotos und Selbstoptimierung ist.

Erste Hilfe bei psychischen Erkrankungen: Beratungsstellen

Wer Hilfe suche, solle sich am besten an eine Beratungsstelle wenden, sagt Jennifer. "Ich war zum Beispiel in einer Mädchenberatungsstelle", erzählt sie.

Im Alter von 13, 14 Jahren habe sie zum ersten Mal gemerkt, dass bei ihr etwas nicht stimme, erinnert sich Jennifer. Sie habe damals sehr viel geweint, sei sehr traurig und niedergeschlagen gewesen. Dieser Zustand sei auch in der Schule und Außenstehenden aufgefallen.

"Da habe ich mich das erste Mal gefragt, ob es normal ist, dass es mir so schlecht geht."
Jennifer Wrona

Ihr damaliger Vertrauenslehrer habe sie auf ihren Zustand angesprochen und Jennifer geholfen, die Mädchenberatungsstelle aufzusuchen. Dort habe sie ihre erste Therapeutin kennengelernt. "Sie hat mir auf jeden Fall das Leben gerettet", sagt Jennifer heute. Dennoch sei es ihr lange Zeit sehr schlecht gegangen. Das erste Mal, dass sie das Gefühl gehabt habe, es bessere sich etwas, sei nach dem Abitur gewesen.

Trotz Therapeutin lange Zeit keine Besserung

Die Abi-Zeit sei für sie sehr schwer gewesen, lange habe es danach ausgesehen, dass sie das Abitur gar nicht schaffe. Mit dem Abschluss habe sich bei ihr eine große Erleichterung und Stolz eingestellt, weil sie selbst gar nicht daran geglaubt hätte. Damals habe für Jennifer ein neuer Lebensabschnitt begonnen, weil sie auch von zu Hause ausgezogen sei.

Hier findet ihr Hilfe

Wer selbst Hilfe braucht oder Suizidgedanken hat, kann sich telefonisch oder online bei der Telefonseelsorge unter den kostenlosen Hotlines 0800-1110111 und 0800-1110222 melden. Dort könnt ihr euch anonym und vertraulich beraten lassen, welche Form der Therapie euch helfen könnte.