Fehlzeiten von Mitarbeitern kosten Unternehmen Milliarden. Seit einigen Jahren sind es vor allem psychische Erkrankungen, die verstärkt zu Fehlzeiten führen. Thyssen Krupp Bilstein will mit einem Netzwerk seinen Mitarbeitern früh und schnell helfen. Auch um finanzielle Verluste zu vermeiden.

Bei Thyssen Krupp in Bilstein arbeiten über 2000 Mitarbeiter. Dort werden Stoßdämpfer hergestellt. Marcus Koch leitet die Personalabteilung: Er hat mit seinen Kollegen ein System entwickelt, um Mitarbeitern bei psychischen Erkrankungen frühzeitig zu helfen.

"Wir haben zum Beispiel Führungskräfte gezielt geschult", sagt Marcus Koch. Damit soll auch mehr Akzeptanz für das Thema psychische Krankheiten geschaffen werden. Insgesamt will man zur Enttabuisierung beitragen.

Vertraulichkeit ist sichergestellt

Die Werksärzte arbeiten im Netzwerk als Multiplikatoren. An sie können sich Mitarbeiter wenden, sobald sie psychische Probleme feststellen. Auch die Vorgesetzten und Mitarbeitervertreter agieren als Ansprechpartner. Für die Gespräche gilt Vertraulichkeit.

Gemeinsam mit dem Werksarzt wird dann ein Termin bei einem Coach oder Psychologen vereinbart, der gezielt helfen kann. Auch hier gilt Vertraulichkeit. Vor allem aber hat Thyssen Krupp ein Netzwerk an Coachs und Psychologen aufgebaut, die dem betroffenen Mitarbeiter binnen einer Woche einen Termin anbieten. Das kann sonst Wochen dauern.

"Die Betroffenen bekommen innerhalb einer Woche einen Termin bei einem Coach oder Psychologen."
Marcus Koch, Leiter der Personalabteilung von Thyssen Krupp Bilstein

Mit diesem Netzwerk will Thyssen Krupp natürlich auch Verluste vermeiden. "Der Ausfall von Mitarbeitern kostet pro Tag 500 Euro", sagt Marcus Koch. Bei vier bis fünf Wochen allein Wartezeit für einen Termin beim Psychologen, lohnt sich das Netzwerk also.

Aber wieso nehmen psychische Erkrankungen überhaupt zu? Die Arbeitswelt werde immer komplexer, auch die Verdichtung nehme zu, sagt Koch. Mit diesen zunehmenden Herausforderungen müssen auch die Mitarbeiter bei Thyssen Krupp klar kommen. Neben dem Hilfssystem sollten sich Unternehmen deshalb auch überlegen, wie sie den Stress für ihre Mitarbeiter reduzieren können.