Seit Jahren steigt die Zahl der Studierenden, die sich psychologisch beraten lassen. Eine Ursache ist sicherlich Stress. Eine Psychotherapeutin sagt, was dagegen hilft: konsequente Pausen, konsequentes Arbeiten und Belohnung.

Die Zahl der Studierenden, die sich psychologische Hilfe suchen, nimmt stetig zu. Rund 110.000 Beratungskontakte haben die psychologischen Beratungsstellen der Studentenwerke im Jahr 2017 verzeichnet. So viele Studierende haben also psychologische Beratung in Anspruch genommen. Verglichen mit dem Jahr 2006 ist das eine Steigerung von 60 Prozent.

Suchten Studierende früherer Generationen Rat und Unterstützung vor der Zwischen- oder der letzten Prüfung, fragen inzwischen bereits Erstsemester an. Sie nutzen die akademische Studienberatung als erste Anlaufstelle.

Mehr Studierende, mehr Probleme

Unsere Reporterin Teresa Nehm hat sich die Zahlen angeschaut und hat Tipps, wie sich Stress reduzieren lässt. Teilweise lässt sich die größere Zahl der Beratungssuchenden auch dadurch erklären, dass es insgesamt mehr Studierende gibt. An Universitäten in Deutschland sind inzwischen fast drei Millionen Studenten und Studentinnen immatrikuliert. Im Zeitraum von 2006 bis 2017 ist die Zahl der Studierenden um 47 Prozent gestiegen.

Gleichzeitig sind wohl auch der Zeit- und Prüfungsdruck gestiegen. An manchen Universitäten muss innerhalb von sechs Semestern mindestens eine Prüfung bestanden werden.

Selbstgemachter Leistungsdruck

Das fehlende Zeitmanagement, um alle Leistungen zu schaffen, ist übrigens der häufigste Grund, warum die Beratung aufgesucht wird, berichtet Teresa. 19 Prozent der Beratungsgespräche drehen sich darum.

Außerdem sei die Bereitschaft gestiegen, sich Hilfe zu suchen, sagt Ulrike Schneider-Schmid. Sie ist Psychotherapeutin in Berlin und betreut viele Millennials. Sie sagt, einerseits steige der Leistungsdruck, aber die Studierenden stolperten auch über ihre eigenen Ansprüche.

"Ich denke, ein Hauptgrund ist der innere Leistungsanspruch, der Perfektionismus. Ich sehe das sehr oft, dass der Druck, der von von innen kommt, eigentlich viel höher ist als derjenige, der von außen an die Studierenden herangetragen wird."
Ulrike Schneider-Schmid, Psychotherapeutin

Das betrifft übrigens auch Erstsemester, die sehr hohe Ansprüche an sich selbst haben, wenn sie mit einem guten Abischnitt an die Universitäten kommen. Wenn es dann am Anfang nicht so gut klappt und sie ihre Leistung infrage stellen, dann landen sie unter Umständen auch in der Beratung.

Intensiv arbeiten, intensiv Pause machen

Pausen und Belohnungen sind ganz wichtig, um Stress zu reduzieren. Ein realistischer Arbeitsplan hilft auch. Ulrike Schneider Schmid sagt, dass viele Studierende sich zu wenig belohnen und sich durch ihr Lernverhalten unglücklich machen, weil sie sich nichts gönnen.

"Jede halbe Stunde fünf Minuten Pause machen. Aber diese 25 Minuten, die nehme ich mir wirklich und arbeite intensiv."
Ulrike Schneider-Schmid, Psychotherapeutin

Außerdem empfiehlt die Psychotherapeutin, absolute Konzentration während des Lernens – das Handy zum Beispiel in den Flugmodus zu versetzen. Ulrike Schneider Schmid rät außerdem dazu, sich Erfolge auszumalen, positiv zu denken und sich nicht vorzustellen, was alles schiefgehen kann. Manchmal helfe es beispielsweise, sich das Gefühl vorzustellen, wie es ist, die Klausur zu bestehen.