Mit dem Job anfangen oder einen Master dranhängen? Eine Wohnung suchen oder in der WG bleiben? Bei wichtigen Entscheidungen hören wir gern auf unser Bauchgefühl. Psychologe Tobias Maldei sagt: Wenn das Bauchgefühl schon mal da ist, sollte man es auf jeden Fall berücksichtigen.

"Hör auf dein Bauchgefühl!" Dieser Rat klingt wie eine etwas abgedroschene Lebensweisheit. Aber: Diese Ahnung, die wir in bestimmten Entscheidungssituationen manchmal verspüren, ist tatsächlich gar nicht mal so verkehrt.

Intuition ist nicht einfach so zu erklären

Auch die Wissenschaft forscht zu Intuition, wie das Bauchgefühl dort heißt. "Unter Intuition verstehen wir Urteile, die auf Emotionen basieren", erklärt Tobias Maldei von der Universität Trier. Diese emotionalen Urteile entstehen sehr schnell und sind nicht so bewusst wie etwa eine rationale Kopfentscheidung, so der Persönlichkeitspsychologe: "Wir können gar nicht richtig bestimmen, wo dieses Gefühl wirklich herkommt." Das liege unter anderem an unserem impliziten Gedächtnis, auf das wir bewusst nicht zurückgreifen könnten.

"Am Ende wissen wir gar nicht genau: Ist Intuition jetzt gut oder schlecht?"
Tobias Maldei, Persönlichkeitspsychologe

Deswegen ist es nicht einfach, das Bauchgefühl zu erforschen, sagt der Wissenschaftler. Bei Studien versuche man deshalb etwa, Menschen spontan zu befragen, damit das Bauchgefühl aktiviert wird. Das liege in Testsituationen dann meistens sogar richtig, während die Befragten bei langem Grübeln eher eine falsche Antwort abgäben, so Maldei.

Das Bauchgefühl: Ein langwachsender Erfahrungsschatz

Intuition funktioniert besonders dann gut, wenn sie auf Erfahrung basiert, betont Tobias Maldei: "Je mehr wir Erfahrungen mit einer Sache machen, desto besser können wir danach Entscheidungen treffen." Dabei geht es nicht um bewusste Erfahrungssammlung, sondern um alltägliche Situationen, so der Psychologe.

Deshalb ist das Bauchgefühl auch kein klischeebasierter Impuls, sagt der Wissenschaftler: Besonders wenn wir uns in einer lebensrelevanten Situation nach unserem Bauchgefühl entscheiden müssten, würden wir viele Erfahrungen gleichzeitig berücksichtigen.

Weil die Intuition neuropsychologisch auch mit unseren Bedürfnissen verknüpft ist, ist das eigene Wohlbefinden sehr wichtig, erklärt der Wissenschaftler: "Einer der zuverlässigsten Befunde, die wir haben, ist, dass in positiver Stimmung unsere Intuition nicht nur etwas ist, auf das wir hören – sie ist tatsächlich auch besser."

"Selbst wenn wir versuchen, eine ganz rationale Entscheidung zu treffen, ist sie doch irgendwie gefärbt."
Tobias Maldei, Persönlichkeitspsychologe

Es sei auch nicht ganz klar, so Tobias Maldei, ob wir Entscheidungen überhaupt komplett ohne Bauchgefühl treffen können: "Ganz analytisch können wir gar nicht denken."

"Wenn wir rational analytisch an unser Leben rangehen – das können wir natürlich probieren, aber die Frage ist dann: Was bringt uns das?"
Tobias Maldei, Persönlichkeitspsychologe