Viele psychologische Experimente scheinen zu zeigen, dass wir oft irrational sind. Statt nach den Gesetzen der Logik entscheiden wir aus dem Bauch heraus. Dabei sind wir vielleicht sogar vernunftbegabter als wir glauben.

Wenn Psychologen Experimente machen, dann wollen sie damit wissenschaftlich erforschen, wie wir denken, handeln oder fühlen. Diese Experimente haben oft einen ziemlich einfachen Aufbau: Freiwilligen Versuchspersonen werden Aufgaben und Fragen gestellt, die sie lösen sollen. Nur sind diese Versuchsanordnungen oft ziemlich weit weg von der Realität des Alltags.

"Woran liegt es, dass unser Denkvermögen in vielen Lehrbüchern und öffentlichen Diskussionen keinen so wahnsinnig guten Ruf hat?"
Markus Knauff, Psychologe

Wenn man sich die Experimente sorgfältig ansieht, wird deutlich, warum sich die Ergebnisse nicht einfach auf das echte Leben übertragen lassen. Die experimentelle Psychologie hat viel zu lange ignoriert, dass wir im Alltag meistens doch sehr gut Entscheidungen treffen können, sagt Markus Knauff. Er ist Professor für Psychologie und Kognitionswissenschaften an der Justus-Liebig-Universität Gießen.

"Meine These ist, dass sich die Psychologie zu lange auf Fehler beim Denken konzentriert hat und dabei aus dem Auge verloren hat, dass wir im Alltag doch relativ gut zurechtkommen."
Markus Knauff, Psychologe

In seinem Vortrag zeigt Markus Knauff anhand von drei bekannten psychologischen Experimenten, warum sich die vermeintliche Schlussfolgerung aus diesen Experimenten – nämlich dass wir nicht rational denken – nicht halten lässt. 

Knauff hat seinen Vortrag am 19. April 2018 in der Bayerischen Staatsbibliothek in München gehalten im Rahmen der Reihe exkurs der Deutschen Forschungsgemeinschaft.

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