Das flämische Gesundheitsministerium hat einen Plan: 30 Tage ohne Jammern! Soll den Leuten gut tun - schon 30.000 machen mit. Unser Reporter hat sich die staatlich verordnete Fröhlichkeit einmal angesehen, ohne sich zu beschweren.

Die Idee kommt von der belgischen Wellness-Expertin Greet van Hecke, und das flämische Gesundheitsministerium findet sie gut: Also hat Gesundheitsminister Jo Vandeurzen ein Glücksformular erstellen lassen - wer mitmacht, kann darin festhalten, wie glücklich er ist und am Ende des Monats eine Bilanz ziehen. Laut Initiatoren gibt es schon 30.000 Teilnehmer beim Anti-Jammer-Versuch.

Gesund ohne Jammern

Dem Gesundheitsministerium geht es mit der Aktion vor allem um das körperliche Wohlbefinden der Bürgerinnen und Bürger. Das Jammern scheint - wie so vieles, was man macht - auf Herz und Hirn zu schlagen. Schuld sei der hohe Cortisol-Spiegel, der beim Jammern ansteigt. In Versuchen mit Affen und Ratten konnten Forscher den neuronalen Verästelungen quasi beim Veröden zuschauen. 

Aber hat das Jammern nicht auch seinen Zweck? Es könne natürlich, wenn man das in Gesellschaft macht, auch eine Teamidentität schaffen, so der Psychologe und Kommunikationstrainer Markus Dörr. Es mache nur eben nicht so viel Spaß.

"Wenn eine staatliche Stelle mir Zufriedenheit verschreibt, ist das natürlich ein wenig seltsam."
Markus Dörr, Psychologe

Eigentlich findet Dörr die Idee aus Flandern aber gut. Man müsse sich fragen, was der eigentliche Grund für die innere Unzufriedenheit ist.

"Benennen Sie doch mal die Gefühle, warum es ihnen schlecht geht, warum sie jammern! Manchmal kann man über sein eigenes Jammern auch lachen."
Markus Dörr, Psychologe

Die Teilnehmer des Experiments wollen also 30 Tage gar nicht jammern, um dann in der Folge zu merken, wie gut sich das anfühlt. Vielleicht wird es auch nicht so schwer. Belgien belegt immerhin den 17. Platz im internationalen Glücksreport, dem World-Happiness-Report 2017 - Deutschland ist auf Platz 16. Mal sehen, wer im neuen Jahr der Oberglückskeks wird!