Alle machen Fehler, sagen wir schnell. Was aber, wenn jemand durch meine Unachtsamkeit zu Schaden kommt? Oder sogar ein Mensch stirbt? Wir haben mit dem Notfallpsychologen Uwe Wetter über den Umgang mit der Schuld gesprochen.

Nach den ersten Untersuchungen zum Bahnunglück von Bad Aibling hat vermutlich ein Fehler des Fahrdienstleiters zum Zusammenprall der Züge geführt. Nun sind elf Menschen tot, viele weitere schwer verletzt. Es ist eine Situation, die uns mit Angst erfüllt: Was, wenn unsere kleine Ablenkung, eine Leichtfertigkeit, ein Fehler anderen Leid zufügt? Wie lässt sich das verkraften? Uwe Wetter arbeitet als Notfallpsychologe und erstellt als klinischer und forensischer Psychologe auch Rechtsgutachten zur Schuldfähigkeit von Angeklagten.

"Die Schuld, das heißt die verursachende Tat selber, die wird nie aufhören. Die Frage ist, wie man mit der Erinnerung daran umgehen kann.“
Uwe Wetter, Notfallpsychologe

Die Gefühle sind zuerst überwältigend: Scham, Trauer, Wut, Verzweiflung. Auch der Hass und die Trauer der anderen stürzen auf uns ein, beschreibt Uwe Wetter die Situation nach einem solchen Unglück. Wenn jemand - wie möglicherweise im Fall von Bad Aibling - fahrlässig gehandelt hat, dann ist ihm meist vollkommen klar, dass er einen Fehler begangen hat. Es ist eine Verantwortung, die schwer wiegt. Depressionen und Suizidgedanken sind eine häufige Folge.

Auch wenn man nichts wieder gut machen kann

"Erst nach diesen überwältigenden Gefühlen kann man versuchen, sich rational mit der Situation zu befassen", sagt Uwe Wetter. Eine Frage, die viele Betroffene beschäftigt: War schon in dem Moment eindeutig klar, dass sie einen Fehler begangen haben? Egal, wie die Frage beantwortet wird, die Schuldgefühle bleiben oft dennoch. Wie gut jemand mit diesen Schuldgefühlen umgehen kann, so der Psychologe, hängt auch vom eigenen Selbstwertgefühl ab - und davon, wie gut man mit Krisen umgehen kann.

Wichtig ist es, sich diesen Gefühlen zu stellen. Zu analysieren, sich zu entschuldigen, versuchen, sich zu überlegen, wie man weiterleben möchte. "Das ist nicht leicht", sagt Uwe Wetter. Die Verantwortung zu übernehmen, auch wenn man nichts mehr wieder gut machen kann.