Weniger Schokolade, mehr Sport, Schluss mit stundenlang Serien gucken – viele machen sich nach Neujahr eine Menge Vorsätze. Und werfen sie einen Monat später wieder über Bord. Dabei wäre es doch viel sinnvoller, Grundsätzliches unserer Persönlichkeit zu ändern, sagt Persönlichkeitspsychologin Laura Klimecki.

Unsere Persönlichkeit, das sind nicht nur unsere Gene. Wenn das so wäre, wäre sie ein Leben lang unveränderlich. Ist sie aber nicht, versichert Persönlichkeitspsychologin Laura Klimecki. Denn unsere Persönlichkeit bestehe auch noch aus anderen Teilen. Zum einen beeinflusse uns unser Umfeld, also etwa unsere Freunde, unsere Familie oder der Ort, an dem wir aufwachsen. Und dann sind da noch die Erfahrungen, die eine Person formen. Und je nachdem, welche Erfahrungen das sind, verändere sich auch die Persönlichkeit.

"Unsere Persönlichkeit wird im Grunde aus drei Teilen geformt: Gene, Umfeld und Erfahrungen.“
Laura Klimecki, Dozentin für Psychologie an der Hochschule Fresenius in München

Gewisse Erfahrungen müssten wir erst einmal machen, um zu wissen, wie wir uns in einer bestimmten Situation verhalten. Und das gegebenenfalls anpassen. Wir probieren also etwas aus, fallen auch mal hin und können dann erst etwas verändern, sagt Laura Klimecki.

"Um zum Beispiel Stress zu vermeiden, muss ich Stress einmal erlebt haben. Erst dann kann ich eine Strategie entwickeln, wie ich es gar nicht erst soweit kommen lasse.“
Martin Krinner, Deutschlandfunk Nova Reporter

Meist sei uns sogar schon klar, was wir ändern müssen – wir wüssten nur noch nicht so genau, wie wir die Veränderung langfristig in das eigene Leben einbauen sollen. Laura Klimecki gibt ein paar Tricks, die dabei helfen können.

Fünf-Sekunden-Regel

Oft hält uns unser Zögern ab, einen Vorsatz durchzuziehen, hat Laura Klimecki beobachtet. Ein einfacher Trick, um dieses Zögern zu überwinden, sei die Fünf-Sekunden Regel. Ein Beispiel: Haben wir uns vorgenommen, offener auf Menschen zuzugehen, sollen wir uns auf der nächsten Party einen Anwesenden aussuchen, von fünf ab runterzählen und dann einfach hingehen. Also nicht wie sonst überlegen, abwägen und schließlich doch nichts machen. Durch die Fünf-Sekunden-Regel nähmen wir dem Zweifel die Möglichkeit, sich breitzumachen.

Prokrastination erlauben

Eigentlich sollten wir ja E-Mails beantworten, lernen oder aufräumen … aber dann klicken wir uns doch durch die 100 lustigsten Katzenvideos des Jahres. Prokrastination, also das Aufschieben von Aufgaben, stellt sich oft zwischen uns und unsere Vorsätze, sagt Laura Klimecki. Aber auch hier gebe es einen Trick: Sich das Prokrastinieren erlauben. Die Katzenvideos dürfen wir gucken, aber erst in zehn Minuten. So müssten wir uns nichts verbieten und hätten das Aufschieben besser unter Kontrolle.

Vorsätze umformulieren

Oft, wenn sich Menschen etwas vornehmen, sagen sie so etwas wie: Ich möchte keine Süßigkeiten mehr essen. Es sei aber sinnvoller, sich stattdessen zu sagen: Ich esse keine Süßigkeiten. Der Vorteil dabei: Diese Formulierung lasse keine Diskussion mehr zu. Und das lasse sich dann auch vor uns selbst nicht mehr so schnell rechtfertigen.

Disziplin als Grundlage

Ein bisschen Willenskraft gehört also dazu, wenn wir uns verändern wollen. Klingt anstrengend und ist es auch. Aber wir sollten das nicht als Bestrafung sehen, rät Laura Klimecki. Für sie sei sogar klar: Disziplin ist die reinste Form der Selbstliebe.