Manchmal reichen schon Kleinigkeiten aus, um uns maximal zu nerven. Sind wir einfach zu empfindlich? Nein, sagt die Wissenschaft. Ohne das Gefühl genervt zu sein, könnten wir den Alltag kaum stemmen.

Angela Merkel wirkte am Montag (16.11.) ziemlich genervt von der Beratungsrunde, sie hätte gerne mehr erreicht, doch die Ministerpräsidenten und -Präsidentinnen blockierten. Das ist quasi der Prototyp einer Nervsituation. Der komme dadurch zustande, dass man Erwartungen habe, die nicht erfüllt werden, sagt der Psychologe Rainer Sachse.

Genervt sein – eine biologische Warnfunktion

Ordentlich genervt ist derzeit auch Joe Biden. Der gewählte US-Präsident möchte loslegen, doch Amtsinhaber Donald Trump versperrt ihm wie ein bockiges Kleinkind den Weg für einen geordneten Übergang und lässt ihn abblitzen. In so einer Situation des Tatendrangs kracht es besonders schnell, sagt Rainer Sachse. Wenn Respekt missachtet werde, kein Wille für Verhandlungen da ist und eigene Grenzen überschritten werden, dann sei der Ärger vorprogrammiert.

"Wenn der eine meine Grenzen einfach überfährt und mich dann immer wieder mit irgendetwas behelligt, was ich nicht will – dann werde ich genervt. Und wenn er damit nicht aufhört, entsteht Ärger."
Reiner Sachse, Psychologe

Aber führt uns Ärger beim Genervtsein nicht in eine Sackgasse? Lohnt es, sich über die Kollegin aufzuregen, die zu laut ihren Kaffee schlürft? Es hat einen Sinn, so der Psychologe. So wie Angst, die uns über eine mögliche Gefahr informiere, sei auch der Ärger Teil der biologische Warnfunktion von Emotionen: Der Ärger informiere uns darüber, dass irgendwas nicht so läuft wie wir das gerne hätten und wir was ändern müssen.

"Genervt sein oder Ärger informiert uns darüber, dass irgendwas nicht so läuft, wie wir das gerne hätten und dass wir was machen müssen."
Reiner Sachse, Psychologe

Würde wir die Emotion nicht wahrnehmen, würden wir auch nicht merken, dass irgendwo Handlungsbedarf bestehe, so der Psychologe.

Kommunikation und Kompromissbereitschaft

Je nach Situation sind wir unterschiedlich stark genervt, manchmal halten wir Dinge einfach aus, manchmal platzt uns fast der Kragen. Der US-Kommunikationsforscher Michael Cunningham spricht hierbei von sozialen Allergenen. Dabei vergleicht er unscheinbare Situationen mit kleinen Pollen. Ein Pollen macht uns nicht viel aus, doch wenn sie sich häufen, dann reagieren wir allergisch. So ähnlich läuft es mit der Frustration.

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Gut zu wissen, aus dieser Erkenntnis könne durchaus Positives entstehen, sagt Rainer Sachse: Kommunikation und Kompromissbereitschaft.

"Man muss darüber reden, dass man genervt ist und was man eigentlich möchte. Und das zweite ist Verhandeln. Das heißt, dass man kompromissbereit ist."
Reiner Sachse, Psychologe