Männer sind das humorvollere Geschlecht, so eine Studie von britischen und US-amerikanischen Forschern. Doch auch, wenn die Studie solide ist: Statistik sagt nicht alles über Witzigkeit aus. Humor ist nämlich nicht gleich Humor, so die Psychologin Tabea Scheel.

Einer Metastudie von britischen und US-amerikanischen Forschenden zufolge sind Männer das witzigere Geschlecht. Dafür haben sie 28 Studien mit mehr als 5.000 Probanden analysiert, in denen Menschen Humor bewerten mussten, ohne vorher zu wissen, ob der von einem Mann oder einer Frau stammt. Die "Humorproduktionsfähigkeit" von Männern, so die Studie im Ergebnis trocken, ist etwas höher als die von Frauen.

Humor als Fitnessindikator

Tabea Scheel, Psychologin und Humorforscherin am Deutschen Institut für Humor, hält die Studie für solide, das Ergebnis überrascht sie nicht. Ihre Erklärung: Im Tierreich müssen sich die Männchen anstrengen, um die Aufmerksamkeit der Weibchen auf sich zu ziehen. Das geschieht etwa durch prächtige Federkleider oder Machtkämpfe. Vielleicht hat oder hatte Humor eine ähnliche Funktion?

Dafür sprechen würde, so die Psychologin, dass Humor tatsächlich mit Intelligenz verbunden und somit ein Fitnessindikator ist.

"Das würde heißen, dass Männer den Humor eher zur Schau stellen, um Frauen zu gefallen."
Tabea Scheel, Humorforscherin

Dieses Zur-Schau-Stellen von Humor kann aber auch schnell peinlich werden, merkt unser Reporter Stephan Beuting an – wenn nämlich jemand nicht merkt, dass andere seine Witze gar nicht so witzig finden. Auch dafür hat die Psychologin eine Erklärung: "Für Männer ist es einfacher, kein Feedback zu bekommen."

Die Frage ist nun, welche Schlüsse aus so einem Studienergebnis zu ziehen sind. Tabea Scheel: "Wenn eine Studie sagt, Männer sind witziger als Frauen, könnte das auf jeden Fall für ein Selbstbewusstsein sorgen, was an manchen Stellen vielleicht nicht unbedingt förderlich ist."

Humor ist nicht gleich Humor

Und: Wollen wir eine solche Studie einordnen, müssen wir uns ansehen, um welchen Humor es überhaupt geht. Denn Humor ist nicht gleich Humor. Zum einen gibt es Humor, der nicht auf Kosten anderer geht, verbindende Wirkung hat, auch selbstironisch sein kann. Hier liegen laut Tabea Scheel Frauen und Männer gleich auf.

Humor als Sozialkitt oder Waffe im Konkurrenzkampf

Frauen und Männer setzen Humor aber anders ein. Studien haben gezeigt, so die Psychologin, dass Frauen Humor eher benutzen, um Solidaritätszwecke zu erfüllen und zu verbinden, während Männer ihn eher einsetzen, um Wettbewerb zu schaffen oder zu gewinnen. Und hier kommt dann das ins Spiel, was die Psychologin "negativen Humor" nennt. Der geht auf Kosten anderer und ist aggressiver.

Sind Männer nun tatsächlich per se witziger als Frauen oder nicht? Statistik allein kann uns das wohl nicht beantworten.