Auch wenn es manche von sich behaupten: Der Mensch kann nicht nichts denken. Denn das Gehirn ist immer am Rattern. Allerdings kann man an nichts Besonderes denken. Genau damit hat sich eine Psychologin mit ihrem Team von der University of Arizona auseinandergesetzt. Sie wollten wissen, woran Menschen denken, wenn sie beispielsweise unter der Dusche oder in der Schlange beim Bäcker stehen.

Studien, in denen Gedankengänge erforscht werden, funktionieren meistens so, dass die Teilnehmenden gefragt werden, woran sie gedacht haben, erklärt Anne Tepper von den Deutschlandfunk-Nova-Wissensnachrichten. Das Besondere an der Studie der University of Arizona, die kürzlich in Nature veröffentlicht wurde, ist, dass die insgesamt 78 Teilnehmenden ihre Gedanken laut aussprechen sollten.

"Die meisten Teilnehmenden dachten an neutrale Dinge. Nur einige Teilnehmende kamen ins Grübeln."
Anne Tepper, DLF-Nova Wissensnachrichten

Ergebnis: Die meisten haben neutrale Gedanken, nur wenige denken sehr positiv oder negativ

Das Ergebnis zeigt, dass die meisten gedanklich mit der Gegenwart oder Zukunft beschäftigt waren. Emotional gesehen seien die Gedanken aber eher neutral gewesen. Ein paar Teilnehmende hatten sehr positive und kreative Gedanken und einige kamen ins Grübeln. Das seien aber weniger gewesen, als das Team zuvor vermutet hatte.

"Je länger gegrübelt wurde, desto kleiner wurde die Anzahl der Themen und desto enger wurde auch der Fokus auf ein oder sehr wenige negative Themen."
Anne Tepper, Deutschlandfunk-Nova-Wissensnachrichten

Ziel: Depressionen über negative Gedankenspiralen besser verstehen

Interessant war für die Forschenden besonders die Grübelgruppe, sagt Anne Tepper. Das liege daran, dass Grübeln ein klassisches Symptom für Depressionen sei. Das Grübeln definierten die Forschenden als eher an etwas Negatives denkend, zu Themen, die eher in der Vergangenheit liegen. Dabei stellten sie fest: Je länger die Grübelnden dachten, desto weniger wurde die Anzahl der Themen – und desto enger wurde auch der Fokus auf ein negatives Thema.

Für die Forschenden war es interessant, den Fluss der Gedanken zu beobachten, und wie sich die negativen Gedankenspiralen der Probandinnen und Probanden entfalten. Durch das tiefergehende Verständnis dieser Prozesse hoffen sie, Wege zu finden, wie man Menschen mit Depressionen besser helfen kann.

"Die Forschenden hoffen, negative Gedankenverläufe besser zu verstehen, mit dem Ziel zu verstehen, wie Depressionen entstehen und was man dagegen tun kann."
Anne Tepper, Deutschlandfunk-Nova-Wissensnachrichten

Voraussetzung sei natürlich, dass die Teilnehmenden die Wahrheit über ihre Gedanken sagen, so Anne Tepper. Denn seine Gedanken vor dem Forscherteam zu verraten, könne unangenehm sein, gibt sie zu bedenken. Eine hundertprozentige Überprüfung könne es da nicht geben, aber immerhin hätten die meisten Teilnehmenden hinterher in einem Fragebogen angegeben, sich selbst nicht besonders zensiert zu haben.