Alles weg oder Mut zum Busch? Wie es in unserem Intimbereich aussieht, ist längst keine Privatsache mehr. Das Buch "Pussycut" sammelt 36 Schnittmustervorschläge für Schamhaarfrisuren - und erklärt, was sie bedeuten.

Untenrum ist bei vielen Frauen frisurentechnisch etwas kreativlos nach wie vor Glatze angesagt. Das will Carolin Selmes ändern. Sie liefert mit ihrem Buch "Pussycut" 36 Schnittmustervorschläge für den weiblichen Intimbereich - inklusive Bedeutung der jeweiligen Frisur.

Aus der Bikinizone sind die Haare in den Neunzigern verschwunden. Vorher war noch Wildwuchs angesagt. Ein Relikt aus den Siebzigerjahren und der Hippiebewegung. Damals wollte Frau mit viel Haar Naturverbundenheit demonstrieren.

In den Achtzigerjahren sind die weiblichen Schamhaare dann zuerst in Pornos verschwunden. Vor allem für die bessere Orientierung des Zuschauers. Das hat sich in den Neunzigern dann langsam als Schönheitsideal durchgesetzt, auch wenn zunächst noch nicht darüber gesprochen wurde. Das änderte sich schlagartig, als "Sex and the City" im Fernsehen lief. Eine Serie, in der die Protagonistinnen häufiger über Intimrasuren und auch Waxing gesprochen haben.

Mode und Psychologie

Ende der Neunziger, Anfang der Zweitausender, haben dann immer mehr Waxing-Studios aufgemacht. Spätestens dann war die Befreiung des Körpers von Haaren in der Mitte der Gesellschaft angekommen und auch zu etwas geworden, über das gesprochen wird.

Bei der kompletten Befreiung der Bikinizone von Haaren geht es vor allem um Mode. Ob es etwas mit Hygiene zu tun hat - darüber wird noch gestritten. Ohne Haare gibt es keinen Unterschlupf für Bakterien oder Filzläuse, aber mehr Raum für Genitalwarzen.

Und dann sind da noch psychologische Gründe: So ist zum Beispiel die Abgrenzung zum Tier ohne Haare noch deutlicher. Oder eine deutlichere Abgrenzung zwischen männlich und weiblich. Haare stehen in der Gesellschaft eher für Männlichkeit. Keine Haare unterstreichen die Weiblichkeit.

Rein praktisch sprechen viele Leute in Befragungen von einer höheren Empfindsamkeit ohne Haare. Deshalb verschwinden auch immer häufiger die Haare in männlichen Intimbereich. Die Uni Leipzig hat 2013 in einer Untersuchung zum Thema Schambehaarung herausgefunden, dass etwas 90 Prozent der Frauen zwischen 18 und 25 ihre Schamhaare komplett oder zumindest teilweise entfernen.

Laut US-amerikanischen Studien geht der Trend eindeutig in Richtung kompletter Haarentfernung. Bei Männern waren es 2013 immerhin schon siebzig Prozent, die rasieren oder waxen. Allerdings werden diese Studien häufig von Rasierklingenherstellern bezahlt.

Es gibt aber auch schon länger eine Gegenbewegung: Am Anfang dieses Trends standen vor allem Feministinnen. Auch wegen der schmerzhaften Prozedur des Waxings. Seit zwei, drei Jahren wird über Schamhaare aber wieder in der Öffentlichkeit diskutiert. Ein Auslöser war die Modekette American Apperal. Die hat vor gut zwei Jahren in den USA ihren Schaufensterpuppen Schamhaare spendiert. "Bush is back" hat die New York Times darauf getitelt und eine öffentliche Diskussion ausgelöst, in der sich auch verschiedene Frauen wie Gwyneth Paltrow, Kate Moss, Lilly Allen oder Lady Gaga öffentlich für Schamhaare stark gemacht haben.

Frisurenwahl: Pfeil, Diamant, lange Linie

Im Buch "Pussycut" von Caroline Selmes sind zum einen 36 Illustrationen von Frisuren zu sehen: Mit dabei ist die Sonne, der Blitz, der Pfeil, der Diamant, das Blümchen, die lange Linie oder der runde Knopf.

Bei diesen Beschreibungen können sich die meisten wahrscheinlich vorstellen, wie das aussieht. Und dazu gibt es dann noch ein passendes Zitat. Es geht ja neben der Optik auch um die Bedeutung, die mit der Frisurenwahl übermittelt wird. Beim Pfeil steht da zum Beispiel: "Manch ein Amor tötet mit Pfeilen, mancher mit Fallen." Ein Zitat von William Shakespeare.

Allzu ernst nehmen solltet ihr das alles aber nicht. Das tut die Autorin Carolin Selmes selbst nämlich auch nicht.