Saubermachen war eigentlich kein Hobby von Autorin Vreni Frost. Allerdings hat sie inzwischen die heilende Wirkung des Putzens für sich entdeckt und weiß, was die Ordnung im Zimmer hinten links über ihren Seelenzustand sagt.

Für Vreni Frost war klar: Sobald sie genug Geld verdient, leistet sie sich den Luxus einer Putzhilfe für das eigene Zuhause. Gesagt, getan und Patrycja ist in ihr Leben getreten, die von nun an regelmäßig kommt, um ihre Wohnung zu putzen. Doch besagte Patrycja bricht sich das Knie, kann für einige Wochen nicht arbeiten und Vreni muss wieder selbst ran.

Nun passiert das Unerwartete: Putzen ist nicht mehr nur lästig für sie, Vreni Frost spürt eine fast heilende Wirkung. Je mehr sie in ihrer Wohnung putzt, desto besser ordnen sich auch ihre Gedanken.

"Dann habe ich gemerkt, das ist eigentlich ein Mittel, um nicht nur die Wohnung aufzuräumen, sondern auch mich ein bisschen aufzuräumen und zu sortieren."
Vreni Frost, Autorin

Putzen räumt nicht nur die Wohnung, sondern auch den Kopf auf

Der Prozess klingt simpel, hat für die Autorin aber eine große Wirkung: Musik an, hoch von der Couch und losputzen. Danach ist nicht nur ihre Wohnung sauber, sondern Vreni hat auch für eine gewisse Zeit vergessen, dass noch viele unbeantwortete Mails in ihrem Postfach schlummern oder sie schon länger nicht mehr auf ihr Smartphone geguckt hat.

Saubermachen ist also auch eine Möglichkeit, um einmal kurz die Stopptaste zu drücken und durchzuatmen – das beschreibt Vreni Frost in ihrem Ende Februar erscheinenden Buch "Glanz und Gloria".

"Warum nicht mal energetisches Heilputzen? Wenn es dir guttut Kalkflecken aus der Badewanne zu entfernen und dabei Atemübungen zu machen, dann mach das."
Vreni Frost, Autorin

In ihrem Buch teilt Vreni Frost aber nicht die besten Tipps zum Entkalken des Wasserhahns – es geht vielmehr darum, was Putzen in ihr auslöst: Dabei denkt sie über die toxische Beziehung zu einer Freundin nach. Oder über ihre Schlafstörungen, die sie seit einiger Zeit plagen. Und sie findet auch Lösungen für sich, die sie mit ihren Leserinnen und Lesern teilt.

Bei einem Trip nach Österreich fällt Vreni Frost ein passender Name für diesen Putz für Haus und Hirn ein: "Energetisches Heilputzen" ist zwar nicht ganz ernst gemeint, trifft für Vreni aber den Nagel auf den Kopf. Vielleicht brauchen wir also gar keine Achtsamkeitsworkshops oder Meditationsapps, denkt sie. Vielleicht reicht es schon, wenn wir regelmäßig den Küchenfußboden saugen!

Trotz heilender Wirkung – Vreni putzt noch immer ungern

Wenn man ein Buch über Putzen geschrieben hat, wird man von der Allgmeinheit schnell zur Sauberkeits-Ikone erhoben. Das trifft auf Vreni Frost aber eher nicht zu. Sie räumt ein, dass sie trotzdem noch unordentlich ist und sie sagt auch, dass ihre Putzhilfe wieder regelmäßig kommt.

Denn auch die Ordnung, die von anderen hergestellt wurde, helfe Vreni Frost bei ihrer Reise zu sich selbst. Tipps für Leute, die sich so gar nicht zum Saubermachen aufraffen können, hat sie zwar: Einen Schritt nach dem anderen machen, nicht zu viel von sich verlangen und Listen schreiben, die wir nach und nach abhaken können. Aber wenn Freundinnen und Freunde sie nach Hilfe fragen, sagt sie klar: Ihre Wohnungen sollen sie dann doch bitteschön allein putzen.

"Ich bin die, die sich mit dir auf die Couch setzt und dir hilft, dein Inneres zu ordnen, damit du dann allein deine Wohnung putzen kannst."
Vreni Frost, Autorin

Außerdem hat die Autorin für sich herausgefunden: Das Zimmer hinten links in ihrer Wohnung ist eine Art Spiegel ihres Seelenzustands. Ist es unaufgeräumt und wüst, spürt Vreni das auch innerlich. Ist es sauber und ordentlich, geht es ihr gut. Das wäre ihr vor ihrer selbstauferlegten Putztherapie wohl nicht aufgefallen.