Die Pyramiden von Gizeh sind so gewaltig, dass sie die Frage aufwerfen, wie sie eigentlich vor Jahrtausenden in die Wüste gekommen sind. Forschende aus Frankreich haben jetzt neue Erkenntnisse.

Sie sind beeindruckende Bauwerke, zählen zu den sieben Weltwundern der Antike und 1979 hat die Unesco sie zum Weltkulturerbe ernannt: die Pyramiden von Gizeh. Wie genau die Menschen damals die drei Pyramiden am Rand des Niltals gebaut haben, ist bis heute nicht vollkommen klar. Alleine ein Steinblock ist zweieinhalb Tonnen schwer. Ein Team von Forschenden aus Frankreich hat jetzt untersucht, wie die tonnenschweren Steine in die Wüste gekommen sind.

Steine per Schiff transportiert

Heute ist rund um die Pyramiden Wüste. Zum Westufer des Nils sind es fast zehn Kilometer. Als die Pyramiden zwischen 2.600 bis 2.500 vor Christus gebaut wurden, führte allerdings ein Seitenarm des Nils zum Standort der Pyramiden, der Cheops-Seitenarm.

Über ihn konnten die Menschen damals die Steinblöcke per Schiff aus den nilaufwärts gelegenen Steinbrüchen transportieren. Zu dieser Erkenntnis kommen die Forschenden aus Frankreich in ihrer Studie, mit der sie eine Theorie bestätigen konnten.

Dafür haben die Forschenden Bohrproben untersucht, die sie aus dem heutigen Überschwemmungsgebiet des Nils und auch aus dem möglichen Gebiet des früheren Nil-Seitenarms entnommen haben. Dabei haben sie sich das Gestein und Pollen angesehen. Das Ergebnis: Am Seitenarm muss es die gleiche Vegetation gegeben haben wie am Nilufer selbst, nämlich Papyrus und Riedgras.

Feuchtes Klima in Ägypten

Über die Bohrproben konnten die Forschenden auch feststellen, dass das Wasser im Nil damals tief genug für die tonnenschwere Fracht der Schiffe gewesen sein muss. Das war vor der Studie unklar.

Die Forschenden haben die Höhe des Wasserpegels zusätzlich noch über Computersimulationen ermittelt. Dafür haben sie Klimamodelle über einen Zeitraum von 8000 Jahren durchlaufen lassen. Diese haben gezeigt, dass sich das Klima in dem Gebiet im Laufe der Jahrtausende deutlich verändert hat.

Danach war das Klima in Ägypten bis knapp 1000 Jahre vor dem Bau der Pyramiden, bis etwa 3500 vor Christus, sogar relativ feucht, erklärt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Wiebke Lehnhoff. Die Wasserstände im Nil und im Cheops-Seitenarm waren dementsprechend wohl extrem hoch.

Als der Pegel etwas gesunken ist, konnten die Menschen im ägyptischen Reich sich überhaupt erst in der Nähe des Nils ansiedeln. Wieder einige Jahrhunderte später, ab etwa 2970 vor Christus, wurde das Klima trockener, wobei der Wasserstand für die Schifffahrt ausreichend hoch blieb.

"Vermutlich haben die Pharaonen sogar extra wegen des hohen Wasserstands im Nil-Seitenarm das Plateau für den Pyramidenbau ausgesucht."
Wiebke Lehnhoff, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Laut der Forschenden sollen die Pyramiden-Baumeister einige Teile des Nil-Seitenarms sogar vertieft und zusätzlich Kanäle und Hafenanlagen angelegt haben, damit die Schiffsfracht besser entladen werden konnte. Während einer Nilflut konnten sie so auch mit besonders schwerer Ladung fast direkt bis an die Baustelle der Pyramiden fahren. Ab Mitte des 14. Jahrhunderts vor Christus ist der Seitenarm versandet und schließlich ausgetrocknet.