Die Debatte um Pyrotechnik im Fußballstadion ist verhärtet: Einerseits ist Pyrotechnik Teil der Fankultur geworden, die Satzung der Deutschen Fußball Liga (DFL) hingegen verbietet das Nutzen von Pyrotechnik in den Stadien ausdrücklich. Der Hamburger Sportverein (HSV) möchte nun eine alternative Perspektive auf das Thema "Pyrotechnik" eröffnen und unterbreitet den Vorschlag, Pyro kontrolliert einzusetzen und so zu legalisieren.

Obwohl Pyrotechnik im Fußballstadion offiziell verboten ist, prägt sie das Bild auf den Tribünen. Kommt es zum Abbrennen von Pyrotechnik durch Fans, muss der jeweilige Fußballverein haften. Der HSV musste so in der letzten Saison zum Beispiel über 200.000 Euro an Strafen zahlen, weil Fans Pyrotechnik-Feuerwerke veranstaltet haben. 

"Der Vorschlag des HSV bringt eine neue Perspektive in die Debatte rein, die relativ verhärtet ist."
Matthias Friebe, Dlf-Sportredaktion

Pyrotechnik ist ein Reizthema

Fest steht: Pyrotechnik hat sich zu einem langjährigen Konflikt entwickelt, der bisher nicht gelöst werden konnte. Laut Matthias Friebe aus der Dlf-Sportredaktion könne der Vorstoß des HSV nun ein Versuch sein, auf die Fans zu zugehen. Hier komme es darauf an, ob sich die Beteiligten auf einen kontrollierten Einsatz von Pyrotechnik einigen könnten, beziehungsweise welche Rahmenbedingungen für und mit den Fans geschaffen würden. 

Die Haltung der Politik: Bisher wird der illegale Einsatz von Pyrotechnik als Ordnungswidrigkeit bestraft. Bei der Innenministerkonferenz Ende 2018 wurde hingegen über eine härtere Bestrafung gesprochen. Die Minister haben sich darauf geeinigt, die Gesetze in Zukunft dementsprechend anzupassen – den Umfang macht die Forderung des hessischen Innenministers Peter Beuth deutlich: Er fordert eine Mindeststrafe von einem Jahr Gefängnis nach dem unkontrollierten Zünden von Pyro in Menschenmengen. 

Alternativen zur herkömmlichen Pyrotechnik

Das Problem besteht nicht nur in deutschen Fußballstadien. So werden in Skandinavien bereits Versuche unternommen, kalte Pyrotechnik zu testen, sagt Matthias Friebe. Bei kalter Pyro wird Nitrozellulose verwendet, die bei etwa 230 Grad abbrennt, was ungefähr der Temperatur einer Kerzenflamme entspricht. Bei einer herkömmlichen Pyro-Fackel wird Magnesium verbrannt, das über 2000 Grad heiß werden kann. Kalte Pyrotechnik würde sich also als Kompromiss anbieten, wobei dieser nicht weniger gesundheitliche Gefahren in sich birgt.