Bis zum Jahr 2031 muss ein Standort für die Endlagerung hochgiftiger radioaktiver Abfälle gefunden sein. So steht es im Gesetz. Den Wissenschaftlern kommt in dieser Frage eine entscheidende Rolle zu. Einige von ihnen gehen dabei kritisch mit ihrer Zunft ins Gericht. Sie sind der Meinung, dass sie beim Streit um den Atommüll über weite Strecken versagt hätten. Inwiefern, erfahren wir in den Vorträgen von Armin Grunwald, Axel Liebscher und Christian von Hirschhausen.

Wissenschaftler seien in der Atomfrage besserwisserisch und hochnäsig aufgetreten. Ihre Haltung im vergangenen Jahrhundert sei geprägt gewesen von der festen Überzeugung, dass sie es schließlich besser wüssten als alle anderen.

Selbstkritik unter Wissenschaftlern

Diese selbstkritischen Worte findet der Physiker, Philosoph und Mathematiker Armin Grunwald. Er befasst sich mit den Folgen, die der Betrieb unserer Atomkraftwerke den nächsten Generationen aufbürden wird.

"Da hat die Wissenschaft sicher nicht dazu beigetragen, die ganze Konfliktgeschichte zu entschärfen, sondern sie ist ein Teil von ihr."

Wohin also mit dem Atommüll? Damit in der Bevölkerung nicht wieder tiefe Gräben entstehen, soll der Umgang mit den Hinterlassenschaften der umstrittenen Technologie nun anders verlaufen.

Endlagersuche

Der Naturwissenschaftler Axel Liebscher zeigt die diversen Phasen der Standortsuche auf. Und er fragt sich, wie zukünftige Generationen die Entscheidungen mittragen können. Langfristig und robust. Egal, wie sich Deutschland in den nächsten Jahrzehnten entwickeln wird.

"Stabile Verhältnisse, relativer Konsens: Das kann sich in den nächsten Jahren ändern."

Hatten Experten keine Ahnung?

Der Wirtschaftswissenschaftler Christian von Hirschhausen geht noch einen Schritt weiter als Armin Grunwald. Nach seinen Worten haben sich aus seinem Fachbereich in der Vergangenheit nur sogenannte Experten geäußert, die von der Atomkraft keine Ahnung gehabt hätten. Deshalb wollen er und seine Mitstreiter dies nun bei der Standortsuche ändern.

"Man dachte, man könnte mit Atomkraftwerken das Klimaproblem lösen. Das ist falsch!"

Kurz zusammengefasst hat Christian von Hirschhausen die Hoffnung, dass nun alles besser werden würde.

In unserer Sendung behandeln wir aber auch die Zweifel, die Kritiker erheben, weil sie das sogenannte "Standort-Auswahlgesetz" für – ganz einfach – schlecht gemacht halten.

Die Vortragenden

"Der Atomkonflikt in Deutschland - bis in alle Ewigkeit?" Unter diesem Motto stand die Veranstaltungsreihe "Offener Hörsaal" der Freien Universität Berlin vom 10. April bis 10. Juli 2019.

Zu der Rolle der Wissenschaft im Atomstreit äußerten sich Armin Grunwald, Leiter des Instituts für Technologiefolgen-Abschätzung und Systemanalyse in Karlsruhe, Axel Liebscher, Fachbereichsleiter am Bundesamt für kernteschnische Entsorgungssicherheit in Berlin sowie Christian von Hirschhausen, Wirtschaftswissenschaftler an der Technischen Universität Berlin.