Mehr als 65.000 Kilometer ist Heike Pirngruber mit ihrem Fahrrad in den vergangenen sechs Jahren um die ganze Welt geradelt. In China hat sie in Abflussrohren übernachtet, an der Elfenbeinküste ist sie als Übernachtungsgast in einem Puff untergekommen.

2013 ist Heike Pirngruber mit ihrem Rad, mit wenig Gepäck und einem Zelt in ihrer Heimat Heidelberg gestartet.

In den vergangenen sechs Jahren hat sie mehr als 50 Länder mit dem Fahrrad durchquert – sie war in halb Asien, in Nord-, Süd- und Mittelamerika, ist durch Europa gefahren. Zurzeit ist sie in Westafrika unterwegs und fährt von einem Land ins nächste. Auf ihrem Blog "Pushbikegirl" berichtet sie von ihren Erlebnissen.

"Ich hatte mal einen ganz abgefahrenen Schlafplatz in einem Abflussrohr in China. Das war auf viertausend Meter Höhe – also wirklich am Ende der Welt. Da hab ich gedacht, hey, wie weit bist du gesunken, jetzt pennst du hier schon mit den Ratten. Zum Glück waren keine Ratten da."
Heike Pirngruber, seit sechs Jahren mit dem Fahr
Heike Pirngruber reist mit dem Fahrrad um die Welt.
© Heike Pirngruber
Heike Pirngruber reist seit sechs Jahren mit ihrem Fahrrad und einem kleinen Zelt durch die Welt.

Wenn sie keinen Stellplatz für ihr Zelt findet, sucht sie an den kuriosesten Plätzen Unterschlupf für die Nacht: Mit wildfremden Menschen teilt sie sich das Bett, schläft mit ganzen Familien auf dem Boden ihrer Behausung oder in Unterführungen unter Autobahnen, in Moscheen. Selbst in einem Bordell ist sie schon einmal untergekommen. Das war, als sie sich an der Elfenbeinküste unterwegs war. Auf den Straßen ringsherum gab es viele Betrunkene, deshalb schien ihr der Puff die sicherere Alternative zu sein.

Iranische Frauen freuen sich über Heike Pirngrubers Anblick auf dem Fahrrad.
© Heike Pirngruber
Iranische Frauen freuen sich über Heike Pirngrubers Anblick auf dem Fahrrad.

Das Schlimmste sind die Hunde

Wenn Heike unter freiem Himmel in ihrem Zelt übernachtet, dann hat sie auch schon einmal richtig Schiss vor Wildtieren gehabt, sagt sie. Zum Beispiel vor den Braunbären in Russland oder den Grizzlybären in Kanada. Oftmals hat sie die abgerichteten Hunde, die in manchen Gegenden Grundstücke bewachen, als furchterregender empfunden als die Bären.

"Es gibt schon viele unangenehme Hunde. Es gibt so Gebiete, in Russland zum Beispiel, da ist hinter jedem Gartentor ein abgerichteter Hund, der nur darauf wartet, dass du näherkommst. Auch in Tibet haben die ganz fürchterliche Hunde. Selbst die Einheimischen sagen: Nachts gehst besser nicht mehr raus."
Heike Pirngruber, seit sechs Jahren mit dem Fahrrad unterwegs
Heike Pirngruber reist um die Welt.
© Heike Pirngruber
Atemberaubende Anblicke erlebt Heike, wenn sie Nächte unter freiem Himmel verbringt.

Heike Pirngruber: Manche laufen weg vor mir

In den meisten Gegenden wird sie ganz herzlich empfangen, sagt Heike Pirngruber. In manchen Gegenden, in Westafrika zum Beispiel, laufen die Leute auch vor ihr weg, weil sie nie zuvor einen weißen Menschen gesehen haben. In der Regel macht Heike positive Erfahrungen: Wenn sie Menschen unterwegs fragt, ob sie im Garten ihres Hauses ihr Zelt aufschlagen darf, ist das meist kein Problem. Fast immer bekommt sie dann auch noch etwas zu essen angeboten.

Heimkommen ist der schwierigste Part an so einer langen Reise

Nach den ersten viereinhalb Jahren ihrer Weltreise hat Heike eine Pause eingelegt und ist für acht Monate nach Heidelberg zurückgekehrt. Heike sagt, dass sie einen "Kulturschock rückwärts" hatte: Sie war davon ausgegangen, dass sie ihre Heimat und die Menschen dort gut kennt. Als sie in diese "Alte Welt" zurückgekehrt ist, hat sie festgestellt, dass sie sie gar nicht mehr so gut kennt, weil sie sich durch ihre Erfahrungen, die sie unterwegs gemacht hatte, so sehr verändert hatte.

Heike hatte vor ihrer Abreise zum Beispiel geglaubt, dass die Menschen in Deutschland weltoffen sind, weil das Land viele Nachbarländer hat. Nach ihrer Rückkehr nach Heidelberg hat sie aber eher das Gefühl, dass hier wenig Weltoffenheit herrscht. Als sie das für sich feststellt, ist sie darüber enttäuscht.