Vor 24.000 Jahren haben Menschen noch Mammuts gejagt und Höhlen bemalt. Zu diesem Zeitpunkt haben sich auch winzig kleine Tiere in den Kälteschlaf begeben – und sind jetzt wieder aufgewacht.

Rädertierchen sind gerade mal einen halben Milimeter groß, ziemlich durchsichtig und haben einen länglichen Körper. Vorne am Mund haben sie ein sogenanntes Räderorgan, mit dem sie sich fortbewegen und Nahrung suchen können. Hinten haben sie einen Fuß, mit dem sie sich an Steinen festkleben können, um nicht wegzuschwimmen.

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Überleben können die Mehrzeller im Meer, aber auch in feuchtem Moos oder in einer Straßenpfütze – und in extremen Umgebungen wie Eis. Forschende haben die Rädertierchen entdeckt als sie sich in Sibirien durch tausend Jahre alte Schichten Permafrost bohrten. Als die Tierchen im Labor auftauten und somit aus ihrem Cryoschlaf erwachten, fing sofort ein "putzmunteres Gewusel" an, beschreibt es Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Sophie Stigler.

Besonderheit unter den Mehrzellern

Damit sind die Tierchen unter den Top drei der ältesten mehrzelligen Tiere – auch wenn sie durch den Kälteschlaf etwas geschummelt haben. Die Forschenden hatten ihnen bisher nur zehn Jahre im Eis zugetraut.

"Bei Rädertierchen dachte man: Zehn Jahre halten sie vielleicht im Eis durch, aber länger nicht."
Sophie Stigler, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Auch den mehrzelligen Fadenwurm, der auch in die Top drei gehört, fanden die Forschenden im untersuchten Bohrkern. Bei Einzellern konnte man ein derartig langes Überleben schon bei Bakterien und Moosen feststellen.

Einfach gestrickte Gehirne

Um die Kryptobiose, also das Stillstehen des Stoffwechsels, genauer untersuchen zu können, haben die Forschenden die Nachkommen der aufgetauten Rädertierchen nochmals eingefroren und aufgetaut. Dass sie das überleben konnten, liegt an ihrem einfach gestrickten Gehirn. Je komplexer ein Organismus ist, desto geringer sind die Chancen, dass Lebewesen eine Tiekühlung überleben.

"Je komplexer ein Organismus ist, desto schwieriger ist es, so eine Tiefkühlung zu überleben."
Sophie Stigler, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Das Problem sind dabei die Eiskristalle, die sich beim Einfrieren im Körper bilden und Zellen und Organe zerstören können. Rädertierchen haben aber anscheinend eine Art Frostschutz.

Überlebensfähig in Extremsituationen

Dass die Tierchen sehr widerstandsfähig sind, war der Forschung bereits vor der Entdeckung im Permafrost bekannt. Beispielsweise wurde schon erkannt, dass Rädertierchen jahrelange Trockenheit oder Hunger aushalten können und sich weder von Radioaktivität noch von Säure so einfach zerstören lassen.

"Rädertierchen halten auch jahrelange Trockenheit aus, man kann Säure auf sie kippen, sie hungern lassen und radioaktiv bestrahlen - alles kein Problem."
Sophie Stigler, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Sie gehören auch zu den wenigen Tieren, denen zugetraut wird, sogar im Weltraum überleben zu können. In den nächsten Jahren sollen sie bei Experimenten außen an die Internationale Raumstation gehängt werden. Woher ihre Widerstandsfähigkeit kommt, wollen die Forschenden in den kommenden Jahren herausfinden.