Der Tod des US-Amerikaners George Floyd durch Polizeigewalt in Minneapolis hat massive Proteste in den USA losgetreten. Doch dieser Tod geht uns alle an, findet Buchautorin Alice Hasters. Sie hätte sich gerade in den letzten Tagen mehr Solidarität von ihren weißen Mitmenschen gewünscht.

Es hat einige Tage gedauert, bis Buchautorin Alice Hasters öffentlich auf den Tod von George Floyd reagierte. Auf ihrem Instagram-Account hat sie dann schließlich die Frage gestellt: "Wie viele Schwarze müsst ihr noch sterben sehen, bevor Veränderung kommt?" Und sie findet: Auch weiße Menschen müssen ihren Teil beitragen.

"Es passiert sehr viel sehr schnell. Gleichzeitig fühlt es sich nach einem immer wiederkehrenden Albtraum an."
Alice Hasters, Journalistin und Buchautorin

Im Gegensatz zu ihren weißen Freunden hatte Alice Hasters kein langes Pfingstwochenende. Sie hatte in den Tagen nach dem Tod von George Floyd kaum Zeit durchzuatmen. Vieles sei passiert, viel musste sie auch tun: Sie leistete in der Zeit vor allem Aufklärungsarbeit. "Das Privileg von weißen Menschen ist: Sie können Rassismus einfach ignorieren, wenn es ihnen zu anstrengend wird", sagt sie.

Aufmerksamkeit als erster Schritt

Auf Twitter beklagte sich die Buchautorin, dass viele ihrer Freunde sie nicht gefragt hätten, wie es ihr mit den Vorfällen in den USA geht. Denn das wäre ein erster Schritt. Das, was in den USA passiert, passiert auch in Deutschland, sagt sie.

"Einige Menschen in meinem Bekanntenkreis haben sich nicht bei mir gemeldet, obwohl ihnen bewusst sein musste, was dieser Tod für mich bedeutet."
Alice Hasters, Journalistin und Buchautorin

Denn auch in Deutschland sterben Menschen durch Polizeigewalt, sagt Hasters. So etwa Oury Jalloh, der 2005 in seiner Gefängniszelle in Dessau verbrannte. Obwohl vieles dafür spricht, dass die Polizisten für seinen Tod verantwortlich sind, wurden sie nicht belangt, sagt sie. Das sende fatale zwei Signale: Zum einen an die Betroffenen, dass ihr Leben nicht schützenswert sei, und zum anderen an zukünftige Täter, dass sie nichts zu befürchten hätten.

Eins bleibt für Alice Hasters der größte Unterschied: Weiße Menschen können Rassismus ignorieren, so die Autorin. Wenn sie merken, wie stark das rassistische System ist, können sie wegsehen, sagt sie.

Weiße haben immer noch mehr Privilegien

Ihr Wunsch: Weiße Menschen müssen ebenfalls hinschauen und auch dranbleiben, wenn es anstrengend wird. "Mir ist bewusst, dass viele Leute die Zusammenhänge nicht erkennen. Sie werden einem ja auch nicht beigebracht, man muss aktiv danach suchen", sagt sie. Material gebe es jedenfalls genug.

Sobald weiße Menschen die Zusammenhänge des rassistischen Systems verstünden, würden sie auch erkennen, dass sie eindeutige Privilegien haben. Als weißer Mensch könne man ganz anders durch die Welt gehen, so Alice Hasters - mit einer Freiheit, die People of Color oft verwehrt bleibe.

Anti-Rassismus ist lernbar

Deutschlandfunk-Nova Reporterin Ina Plodroch weiß um ihre Privilegien als weißer Mensch. Darum wollte sie sich mehr mit Rassismus beschäftigen und hat an einem Anti-Rassismus-Workshop teilgenommen.

Ina Plodroch, Deutschlandfunk Nova
"Es reicht nicht zu sagen: Ich bin kein Rassist. Das sorgt nur dafür, dass ich keine Verantwortung mehr habe."

Der Workshop "Der Rassist in uns" soll weiße Menschen erahnen lassen, wie Diskriminierung sich anfühlen kann. Dafür nutzt Workskop-Leiter Jürgen Schleicher die sogenannte Blue-Eyed-Methode. Die Teilnehmenden teilt er in die Braunäugigen und die Blauäugigen auf. Im Folgenden stellt er die Blauäugigen als langsamer dar - als Idioten. Und siehe da: Viele ertappen sich dabei, tatsächlich schlechter von den Blauäugigen zu denken.

"Unsere Gesellschaft ist durchzogen von einem rassistischen Wissen."
Birol Mertol, leitet Anti-Rassismus-Workshops

Zu sagen "Ich bin kein Rassist" hilft nicht dabei, Rassismus abzuschaffen, sagt Jürgen Schleicher im Workshop. Es lasse nur eine Person sich gut fühlen: Die, die es sagt. Auch Birol Mertol, der ebenfalls Anti-Rassismus-Workshops anbietet, findet, es ist wichtig anzuerkennen, dass wir alle Teil eines rassistischen Systems sind. Seiner Meinung nach sollten weiße Menschen zuhören – und auch mal in den Hintergrund treten.