Kopfhörer, die vibrieren – für manche Gamer kann das ein nettes technisches Gimmick sein. Unser Deutschlandfunk-Nova-Reporter Thomas Ruscher hat sie ausprobiert.

Immersion ist das Stichwort. Der Spieler soll ganz tief in seinem Spiel versinken. Damit er wirklich versteht, wie das mit einem vibrierenden Gaming-Kopfhörer funktionieren kann, hat unser Reporter Thomas den Selbsttest mit dem Kopfhörer Razer Nari Ultimate gemacht: Er sich hat sich diese Art Kopf-Vibratoren aufgesetzt und das Spiel "Battlefield 5" gespielt. Das Actionspiel ist voll mit Schießereien und Explosionen – also genau das Richtige, um sich den Kopf durchschütteln zu lassen.

"Also du setzt sie auf, startest irgendein Spiel oder Musik oder so, und dann fangen die Kopfhörer an, dir deinen Kopf durchzuvibrieren."
Thomas Ruscher, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Um die volle Intensität zu spüren, hat Thomas die Sensibilität der Kopfhörer komplett aufgedreht. Das war für den Anfang vielleicht etwas extrem, findet er: "Auch wenn mein Kopf nicht von links nach rechts gependelt ist, hat sich das doch sehr intensiv angefühlt."

Haptische Technologie ist wichtig für Effekt

Der Kern des Kopfhörers ist eine haptische Technologie. Damit können wir im Prinzip Bewegungen oder Objekte über den Tastsinn wahrnehmen. In dem Kopfhörer steckt die Technologie des Berliner Start-ups Lofelt. Daniel Büttner, einer der Unternehmensgründer, sagt, dass diese Technik eigentlich wie ein Lautsprecher funktioniert – nur dass die Vibrationen direkt auf die Haut übertragen werden. "Lofelt Wave" nennt er das.

Damit das funktioniert, gibt es im Kopfhörer eine Kombination aus zwei Bestandteilen. Eine Software erkennt den Klang im Spiel, also wenn zum Beispiel etwas explodiert. Diese Info gibt die Software an einen sogenannten Haptic Actuator weiter. Das Bauteil kann den Klang oder Sound in die Vibrationen überführen, die Thomas' Kopf spürt, wenn er mit den Kopfhörern ein Game spielt.

Vibrator-Kopfhörer brauchen gute Klangqualität – und das richtige Spiel

Für soundreiche Spiele wie "Battlefield 5" scheinen die Kopfhörer also eine nette Ergänzung zu sein. Um zu testen, wie sie bei anderen Games wirken, hat Thomas auch ruhigere Spiele ausprobiert: "The Return of the Obra Dinn" zum Beispiel. Das ist ein Rätselspiel, bei dem ab und zu ein paar Sounds wie Schüsse vorkommen. Da hat ihm die haptische Technik eigentlich nicht so viel gebracht, sagt Thomas.

"Die Qualität der Haptik hängt sehr von der Qualität des Sounddesigns ab. Also bei 'Battlefield' beispielsweise ist es so, das Spiel hat sehr gutes Soundesign. Und das überträgt sich dann natürlich eins zu eins auf die haptische Wahrnehmung."
Daniel Büttner, Chef des Start-ups Lofelt

Ob das Spielen mit den speziellen Kopfhörern interessanter wird, hänge aber auch davon ab, wie sauber die Spieleentwickler gearbeitet hätten. Daniel Büttner sagt, dass ein gutes Sounddesign sich eben auch gut auf die haptische Wahrnehmung übertragen lasse. Das heißt im Umkehrschluss: Bei schlecht gemachten Sounds bringen die Kopfhörer wenig.

"Es war ein spannendes Experiment, hat auch Spaß gemacht. Aber so richtig lohnt sich das nur, wenn man vor allem so actionreiche Bombast-Spiele mag. Oder, wenn man eben E-Sportler ist, und einen Wettbewerbsvorteil haben will."
Thomas Ruscher, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Für Thomas war es ein spannendes Experiment, das jetzt erst mal vorbei ist, das Testexemplar muss er wieder zurück geben. So richtig lohnt sich die haptische Technologie eher für Spieler, die sehr actionreiche Spiele mögen, und für professionelle Spieler wie E-Sportler scheinen die Kopfhörer interessant zu sein – auch für diese Gamer wurden sie entwickelt.