Wer sind die Menschen, die bei den Anschlägen am Freitag brutal ermordet wurden? Und warum sorgt ein Attacke auf die französische Hauptstadt für so viel mehr Reaktionen im Netz, als ein Bombenangriff auf Beirut?

Nach den Anschlägen in Paris - wir analysieren, diskutieren, vergewissern uns unser selbst oder schelten die Medien - und dabei geht leicht verloren, dass es Menschen sind, die am Freitag brutal ermordet wurden. Der Guardian, hat einige Porträts der 132 Toten online gestellt. Eines der Opfer ist zum Beispiel Nick Alexander, der Merchandising-Manager der Eagels of Death Metal. Nick war mit seiner Ex-Freundin im Bataclan. Sie erzählt, dass sie zusammen mit ihm auf dem Fußboden lag, sie dort Schutz suchten, als die Attentäter zu schießen begannen. Sie selbst wurde in die Beine getroffen und hielt Nick in ihren Armen, als er starb.

Klar ist: Wenn Konzertbesucher eines Rockkonzertes in einer europäischen Hauptstadt sterben, fühlen wir uns direkter betroffen, als bei einem Anschlag in Mumbai oder Bagdad. Und da ist es auch verständlich, wenn Karuna Ezara Parikh, eine Bloggerin aus Dehli, deren Vater aus Beirut stammt, diesen Fokus auf Paris kritisiert. Sie hat ein "Pray for the World"-Gedicht geschrieben, das viral ging. Ihr Tenor: Bombenangriffe auf Beirut oder Anschläge in Bagdad brächten niemanden dazu, seinen Status-Update bei Facebook zu ändern.

Der vietnamesische Designer Hubert Southall hat mittlerweile angeboten, jedem, der das will, einen libanesischen, irakischen oder kenianischen Flaggen-Filter auf das Profilbild zu legen. Und weil das so stark nachgefragt wird, hat er jetzt andere Designer aufgerufen, ihn zu unterstützen.

Voyeurismus und falsche Fakten

Viel Kritik gab es nach den Anschlägen auch an den sozialen Medien. Sie befeuerten Voyeurismus und verbreiteten falsche Fakten. Und außerdem sei Social Media ja sowieso nur ein Tool für billigen Slacktivismus, der niemandem helfe. Lulu Chang, die bei Digitaltrends schreibt, sieht das ein bisschen anders. Die Anschläge in Paris hätten einmal mehr gezeigt, dass es diese Momente der Tragödie seien, in denen die Kraft und die Menschlichkeit von Social Media deutlich werde - trotz aller fremdenfeindlicher, hetzerischer und falscher Posts und Blogeinträge.