Unsere User-Daten werden durchschnittlich 376 Mal am Tag offengelegt und an den Höchstbietenden verkauft - um Online-Werbung zu platzieren. Real Time Bidding heißt das. Ein Bericht legt offen, welche Ausmaße dieses Geschäft angenommen hat.

Was schauen wir uns gerade an? Welche Seiten besuchen wir besonders häufig? Auf welche Webseite gehen wir als Nächstes? Auf all diese Daten können Tausende Werbefirmen zugreifen – und es für "Real Time Bidding" (RTB) nutzen.

Das Ziel: Passgenaue Werbung auf unseren Bildschirmen. Der Höchstbietende ergattert beim sogenannten RTB einen Anzeigenplatz.

"Auf den Echtzeit-Marktplätzen bieten Auktionsroboter im Auftrag der Werbefirmen um den Platz auf der Seite, die du dir gerade anschaust."
Martina Schulte, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporterin

Der Werbeplatz geht wie bei anderen Versteigerungen auch an den Höchstbietenden. Damit die Werbung möglichst erfolgreich ist, sammeln die Betreiber der RTB-Plattform im Hintergrund und ohne dass wir das merken so viele Infos über uns wie möglich. Bei diesem Geschäft werden alleine in Europa jedes Jahr 117 Milliarde US-Dollar (rund 111,36 Milliarde Euro) umgesetzt, so unsere Netzreporterin.

Datenschutzorganisation: "Größtes Datenleck überhaupt"

Sie beruft sich auf Zahlen der Datenschutzorganisation "Irish Council for Civil Liberties" (ICCL), die RTB in einem Bericht "das größte Datenleck" überhaupt nennt. Denn es werden ganz schön viele Infos über uns gesammelt. Über unser Alter beispielsweise, unsere Interessen, unseren Aufenthaltsort oder unser Suchverhalten bei Google.

Werbefirmen auf der ganzen Welt haben nach Auskunft von ICCL Zugang zu diesen Daten – und die können auch über unsere sexuellen Vorlieben oder die politische Haltung Auskunft geben. Europaweit werden täglich insgesamt 197 Milliarden Mal solche Daten abgegriffen, in den USA passiert das sogar 294 Milliarden Mal, berichtet Martina Schulte.

Deals in Sekundenbruchteilen

Auch wenn das alles furchtbar aufwendig klingt, geschieht es innerhalb von Sekundenbruchteilen. Wenn die Website, auf der wir gerade surfen, geladen ist, sind die Werbeplätze bereits mit der personalisierten Werbung bestückt.

Dem ICCL-Bericht zufolge ist Google in Deutschland der größte RTB-Anbieter. Auch Microsoft ist dick im Geschäft. Erst im vergangenen Jahr hatte das Techunternehmen die Real-Time-Bidding Firma Xandr gekauft. Andere große RTB-Firmen sind laut Bericht Index Exchange und Pubmatic.

Bürgerrechtler warnen vor Kontrollverlust

Die Angaben im Bericht stammen laut ICCL von Informant*innen, die aus Gründen des Quellenschutzes nicht näher benannt werden. Facebook und Amazon, die auch im großen Stil mit Daten handeln, sind im Report nicht berücksichtigt, da zu diesen Firmen keine Zahlen vorliegen.

"Bürgerrechtler warnen schon lange vor einem Kontrollverlust bei Online-Werbung", sagt Martina Schulte. "Aber sie können wenig tun. Denn wir alle erklären uns jedes mal, wenn wir Google nutzen, damit einverstanden, dass Daten über uns gesammelt werden."