Es ist eigentlich nur ein schwarzes Poloshirt – mit gelben Streifen und einem gelben Lorbeerkranz auf der Brust. Doch das "Fred Perry"-Shirt ist zum Politikum geworden, seit es die rechtsextremen Proud Boys tragen. Unsere Reporterin mit den Hintergründen.

Die Proud Boys sind seit dem TV-Duell zwischen Donald Trump und Joe Biden in aller Munde. Denn auf die Frage, wie er zu der rechtsextremen Organisationen stehe, sagte Trump, die Proud Boys sollten "sich bereithalten" – was genau er damit meinte, erklärte der Präsident später nicht. Stattdessen behauptete er am nächsten Tag, die Truppe gar nicht zu kennen.

Dabei sind die Proud Boys in den USA in den vergangenen Monaten mehrfach in den Schlagzeilen gewesen, unter anderem, weil sie teils schwer bewaffnet während der Anti-Rassismus-Demos im Land aufmarschiert sind. (Unser Foto zeigt die Proud Boys in Portland am 26.09.2020.)

"Proud Boys gibt es in den USA, Kanada, Großbritannien und Australien."
Teresa Nehm, Deutschlandfunk Nova

Die "Proud Boys" (zu Deutsch die "stolzen Jungs") wurden 2016 vom Mit-Gründer des Vice Magazines, Gavin McInnes, ins Leben gerufen, der selbst als rechtsextrem gilt, so unsere Reporterin Teresa Nehm. Sie sind eine Organisation ausschließlich für Männer. Sie lehnen sich gegen die Staatsgewalt auf und verbreiten Verschwörungserzählungen, nach denen der weiße Mann in der westlichen Welt vom Aussterben bedroht sei.

"Auch wenn die Anführer sich von Rassismus distanzieren – ihre Taten sagen etwas anderes."
Teresa Nehm, Deutschlandfunk Nova

Offiziell distanzieren sich die Proud Boys von Fremdenfeindlichkeit und Rassismus, tatsächlich treten sie in diesem Zusammenhang aber immer wieder in Erscheinung – etwa beim Marsch verschiedener rechtsextremer Gruppen in Charlottesville 2017.

Aus diesen und anderen Gründen stufen US-amerikanische Bürgerrechtsorganisationen die Gruppe als rechtsextrem, islam- und frauenfeindlich ein. "Da wundert es nicht, dass Fred Perry sich von den Proud Boys distanzieren will", meint unsere Reporterin.

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Das betreffende Polohemd hat Fred Perry vom nordamerikanischen Markt genommen und sich in einem Statement klar und unmissverständlich von den Proud Boys abgegrenzt.

Warum die Proud Boys – wie schon früher Skinheads, aber auch Punks und andere Gruppen – die Shirts von Fred Perry tragen, lässt sich allenfalls vermuten. Vielleicht sei es eine gezielte Provokation, meint der Rechtsextremismusforscher Christoph Schulze, vielleicht biete auch der Lorbeerkranz auf dem Shirt eine Ebene, mit der man "Gruppenidentität" schaffen könne.

"Es geht da einmal um die Herstellung von Gruppenidentität durch solche Symbolspielereien."
Rechtsextremismusforscher Christoph Schulze im Interview mit dem Deutschlandfunk

Zudem sei das Shirt eben unverdächtig und so ein Kleidungsstück, hinter dem man sich gut verstecken könne, meint unsere Reporterin: "Wenn die Mitglieder auf das Polohemd angesprochen werden, können sie immer noch sagen 'Ja, das ist doch von so einer Tennislegende, ich liebe Tennis!'"

Inzwischen jedenfalls sind die Proud Boys selbst vereinnahmt worden – von der schwulen Community auf Twitter, mit dem Hashtag #proudboys: Da finden sich viele bunte Regenbogen, US-Flaggen, Strapse und Küsse – Fred Perry Shirts haben wir bislang nicht gesehen.

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