Altes in Neues umwandeln: Recycling geht auch auf der Baustelle. Beim Betonrecycling wird aus altem Bauschutt abgerissener Gebäude neuer Beton hergestellt. Das ist nachhaltig und spart Kosten.

Ein Gebäude wird abgerissen: Im Anschluss entstehen meterhohe Schuttberge auf der Baustelle. Bauschutt, der in den meisten Fällen entsorgt wird, obwohl er in neue Baustoffe umgewandelt werden könnte – zum Beispiel in recycelten Beton. In München läuft zurzeit ein Pilotprojekt, bei dem die neuen Gebäude zu hundert Prozent mithilfe von Betonrecycling entstehen sollen.

Naturstein, reiner Beton und Ziegelteile: Das sind die drei Hauptkomponenten aus denen alter Bauschutt in der Regel besteht. Werden diese zerkleinert und zusammen mit Wasser und Zement in eine Mischmaschine gegeben, entsteht aus ihnen recycelter Beton. Im Anschluss wird dieser in eine Form gegossen und getrocknet.

"So ein Stein dauert jetzt circa drei Minuten. Bei dem Recyclingmaterial sieht man einen leichten Unterschied, weil es leicht rot eingefärbt ist."
Michael Weiß, Bauleiter des Pilotprojekts in München

Das Ergebnis: Innerhalb von wenigen Minuten ist ein rechteckiger, menschengroßer Stein entstanden. Im Gegensatz dazu: Konventionell hergestellter Beton besteht vor allem aus Sand. Als Rohstoff wird Sand aber immer knapper. Betonrecycling ist somit nachhaltiger, da eine Zugabe von Sand nicht nötig ist.

Betonrecycling: Nachhaltig und günstiger aber nicht platzsparender

Da die Produktion des recycelten Betons zudem auf der Baustelle selbst stattfindet, spart Betonrecycling Transportwege. Einerseits muss der alte Schutt nicht zum Wertstoffhof gebracht werden, andererseits fällt das Anliefern von neuem Baumaterial weg.

Das bedeutet zusätzlich: Die Kosten für den Kauf von neuem Beton fallen weg. Michael Weiß, Bauleiter des Pilotprojekts in München, rechnet hier mit einer Ersparnis von ungefähr einem Drittel.

Bis jetzt kaum Betonrecycling in Deutschland

Auf vielen Baustellen findet Betonrecycling allerdings nicht statt, da oft der Platz fehlt, um den Bauschutt zwischenzulagern.

"Produktionstechnisch ist das ganze Recyclingverfahren eigentlich nichts Neues, nur wurde das Thema in den letzten Jahrzehnten vernachlässigt. "
Julian Ignatowitsch, Deutschlandfunk Nova

Auch ist der Recycling-Beton noch nicht reif für die fächendeckende Anwendung. Aktuell suchen die Entwickler noch nach der perfekten Rezeptur. Denn: Die Bauschuttmischung für den recycelten Baustoff saugt mehr Wasser auf als konventioneller Beton und ist damit brüchiger. Forschende eines Münchener Labors testen daher die Druckfestigkeit des Recyclingbetons, damit in Zukunft Wohngebäude mit ein bis zwei Stockwerken damit gebaut werden können.