Ein Mensch, der in der IT arbeitet, bekommt Geld für etwas, das er gar nicht selber macht. Seine Firma bekommt das angeblich ein Jahr nicht mit. Deutschlandfunk-Nova-Reporter Konstantin Köhler erzählt, was hinter der Geschichte steckt.

Einige von uns haben Angst, dass Künstliche Intelligenz (KI) uns die Arbeit wegnimmt. Ein anonymer IT-Mitarbeitender hat nun angeblich den Spieß umgedreht und eine Mini-Software seine Arbeit im Homeoffice erledigen lassen, während er oder sie Videospiele gespielt hat. So zumindest ist es auf Reddit nachzulesen.

"Er oder sie hat angeblich ein Skript geschrieben, also eine Art Mini-Software, die die Arbeit erledigt."
Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter Konstantin Köhler über den Fall

Auf Reddit schreibt die Person, dass dieses Skript seit der Pandemie all ihre Aufgaben erledige. Weiter heißt es dort: "Ich kontrolliere jeden Tag im Homeoffice, ob alles korrekt ausgeführt wurde, ob alles ok ist, das dauert circa zehn Minuten."

Anonyme Geschichte nicht überprüfbar – aber glaubwürdig

Da die Person die Geschichte anonym gepostet habe, sei sie nicht überprüfbar, so Netzreporter Konstantin Köhler. "Aber alle Kommentare zu diesem Beitrag und auch die Beiträge von Online-Medien zu diesem Thema gehen davon aus, dass das schon glaubwürdig und realistisch erscheint", sagt der Netzreporter.

Konkret arbeitet die IT-Fachkraft demnach für eine Anwaltskanzlei. Ihre Aufgabe: alle Beweisstücke, die sich digitalisieren lassen, sicher und verschlüsselt in einer Cloud abzulegen. "Dafür hat die Kanzlei diesen IT-Spezialisten beziehungsweise die IT-Spezialistin eingestellt. Diese Person ist auch die einzige mit Admin-Rechten", so der Netzreporter. "Alle anderen können die Beweise in der Cloud also ansehen, aber nichts löschen, verändern oder hinzufügen. Diese Arbeit hat die Person komplett automatisiert".

Automatisierungen in der Arbeitswelt sind wichtig

Zwar hätte der Mitarbeitende auch einfach seinem Arbeitgeber von dieser enormen Effizienzsteigerung erzählen und dafür einen Bonus einfordern können. Doch die Kanzlei bezahle ihn für die Erledigung einer Aufgabe und die erledige er oder sie schließlich.

"Man könnte es als Software-as-a-Service-Abo-Modell verstehen. Die Kanzlei mietet dieses Skript inklusive persönlichem Betreuungsservice."
Ein Kommentar bei Reddit zu dem Fall

Trotz dieses angeblichen Falles geht Konstantin Köhler nicht davon aus, dass nun die Arbeit vieler Menschen durch eine KI oder eine Automatisierung ersetzt wird. "Vielleicht passiert das irgendwann mal. Aber garantiert nicht in Zeiten wie diesen, in denen in Deutschland bis 2030 ein Mangel von fünf Millionen Fachkräften erwartet wird", sagt er. "Gerade gilt: Je mehr Automatisierung, desto besser. Nur so kriegen wir die Arbeit annähernd erledigt, die als Gesellschaft vor uns liegt."

  • Moderatorin:  Diane Hielscher
  • Gesprächspartner:  Konstantin Köhler, Deutschlandfunk-Nova-Reporter