Die beste Rede oder genau die falsche? Was wir uns von Greta Thunbergs Rede abschauen können. Und womit wir es uns nicht zu einfach machen sollten.

"How dare you", dazu ein emotionales, zornig-trauriges Gesicht. Die Rede von Greta Thunberg auf der UN-Vollversammlung hat viele aufgewühlt, andere empfanden sie als zu emotional. Und bleibt die zentrale Message so wirklich hängen?

Der Psychologe, Politologe und Redenschreiber Moritz Kirchner sagt, bezogen auf ihre Ziele und die Situation sei es die richtige Rede gewesen. Denn die Wirkung der Rede hänge stark vom Kontext ab und wer sie halte.

Argumente vs. Emotion

Abwägen müssen Rednerinnen und Redner, wie sie Kernelemente wie Argumente, Gefühle und Authentizität einsetzen. Bei Gretas Rede sei dies in Richtung und Authentizität und Emotion ausgefallen. Der Politologe ordnet ein: Das Ziel sei gewesen, den Blick auf die Größe des Problems und moralische Aspekte zu lenken. Druck aufzubauen, statt Konzepte vorzustellen.

"Sie hat die Komplexität des Themas Klima auf die moralische Frage von Gut und Böse reduziert."
Moritz Kirchner, Politologe und Psychologe

Blaming statt konkrete Lösungen

"Normalerweise sollte man schon konstruktiv sein. Aber das ist es, was sie als Verantwortung der Politiker und Politikerinnen betrachtet", sagt Moritz Kirchner. Eine grundsätzliche Empfehlung für den Redestil von Greta Thunberg kann Moritz Kirchner daher nicht geben.

Er hebt aber ein Stilmittel besonders hervor: die Wiederholung von "How dare you", das einige Medien schon als das neue "Yes, we can" betitelten. Das Stilmittel der Wiederholung setzte schon die ganz alte Redeschule von Cicero ein. Aus gutem Grund, wie der Politologe und Psychologe erklärt: Das Gehirn wird sich einfach nicht alles merken können.

Wiederholen, wiederholen, wiederholen

Die Kern-Botschaften müssen also sitzen. Steuern lässt sich das durch Wiederholung und Betonung, eine passende Mimik. In Gretas Fall, eine klare, immer wiederkehrende "Form der moralischen Anklage."

Am besten platzieren Redner die zentrale Botschaft direkt am Anfang und am Ende, sagt Moritz Kirchner - um den Recency- und Primacy-Effekt perfekt auszunutzen. Also den Effekt, dass die erste Information besser hängen bleibt, als die folgenden. Noch stärker aber wirkt der Recency-Effekt: Nachdrücklich merken wir uns, was wir zuletzt gehört haben.

"Man kann davon ausgehen, dass nur zehn Prozent, von dem was man sagt, hängen bleibt. Das kann man durch die Wiederholung steuern. "
Moritz Kirchner, Politologe und Psychologe

Geübte Redner bekommen das mit der "Klammerstrategie" hin: Sie betonen am Ende, was sie am Anfang schon eingeführt haben. Andere setzen einfach die "Take-Home-Message" ans Ende. Starke Sätze, zentrale Botschafen, die sich jeder merken kann und die im besten Fall Applaus ernten.

Vielleicht ein einmaliger Erfolg

Bei dem nächsten Auftritt von Greta Thunberg könnte derselbe Redestil genau der falsche sein. Bei der Voll-Versammlung habe die spezifische Situation und das Überraschungsmoment den Effekt verstärkt, sagt Moritz Kirchner: "Eine solche Wutrede hat man ihr nicht zugetraut." Mit diesem Bruch zu vorigen Auftritten und dem Bruch des Protokolls konnte sie die Drastik ihres Anliegens verschärfen: "Ihr Zorn hat sich als Zorn der jüngeren Generation gespiegelt."