Das Amazonasgebiet ist in großer Gefahr. Gerade im brasilianischen und damit im größten Teil des Amazonasbeckens dringen Kettensägen immer weiter in bisher unberührtes Gebiet vor. Wer den Wald dort aus welchen Gründen ausbeuten will, haben wir mit unserem Korrespondenten Ivo Marusczyk besprochen.

Das Amazonasbecken ist das größte Regenwaldgebiet der Erde: Dichte Wälder, undurchlässiges Unterholz, Palmen, Lianen, Mangroven, Orchideen… unzählige immer noch unentdeckte Tier- und Pflanzenarten sind hier zu finden – Schätzungen zufolge etwa ein Viertel aller Tier- und Pflanzenarten der Welt.

Mittendrin leben indigene Völker, die den Kontakt zur Welt außerhalb ihres Waldes lieber vermeiden. Doch die Idylle ist bedroht. Immer häufiger verstören laute Kettensägen die Ohren der indigenen Volksgruppen.

"Das bewirtschaftete Land wird immer weiter Richtung Norden, Richtung Amazonas, getrieben."
Ivo Marusczyk, Südamerika-Korrespondent

Unser Südamerika-Korrespondent Ivo Marusczyk war im brasilianischen Bundesstaat Pará im Norden des Landes unterwegs, an der sogenannten "Agrargrenze" des Amazonasgebiets, also in der Region, in der der Wald auf schon bewirtschaftetes, gerodetes Land trifft.

Immer mehr Straßen

Die Eingriffe des Menschen sind gravierend, sagt Ivo Marusczyk. Immer mehr Straßen würden in der Region gebaut. Und wo Straßen sind, folgen die Menschen.

"Überall, wo Straßen sind, dringen Menschen ein."
Ivo Marusczyk, Südamerika-Korrespondent

Viehzüchter, Holzfäller, Sojapflanzer und Geldwäscher dringen immer tiefer in den Wald vor. Dazu kommen große Konzerne, die Staudämme und Bergwerke bauen wollen. Kleinbauern, die nur eine kleine Parzelle roden wollten, würden auf dem Fuß die Großbauern folgen. So entstünden riesige Rinderweiden und später Soja-Plantagen.

Bolsonaro unterstützt Goldsucher, Viehtreiber und Holzhändler

Der brasilianische Regenwald ist ein Schatz – als grüne Lunge für die Menschen auf der ganzen Welt. Doch er ist eben kein Schatz, der direkt Geld abwirft, wenn man ihn so lässt, wie er ist. Dafür haben Goldsucher, die die Flüsse vergiften, Viehtreiber und Holzhändler wenig Verständnis. Unterstützt werden sie dabei von ihrem neuen Präsidenten Jair Bolsonaro, dessen Vater Goldsucher war.

"Ich will euch sagen: Mein Vater war Goldsucher und ich respektiere diesen Beruf sehr. Ich glaube an euch. Brasilien gehört uns."
Jair Bolsonaro, Präsident Brasiliens

Bolsonaro benutze immer eine Schwarz-Weiß-Rhetorik, sagt Ivo Marusczyk: "'Wir', das sind im alle, die für ihn gestimmt haben. Alle, die an ein weißes Brasilien glauben, das sich wirtschaftlich stark entwickeln kann."

Diese wirtschaftliche Entwicklung geschehe aber eben auf dem Rücken der indigenen Bevölkerung und des Regenwaldes. Und für beide habe Bolsonaro nichts übrig, so Marusczyk. Er spreche sich immer wieder dafür aus, das Amazonasgebiet zu erschließen, auszubeuten, nutzbar zu machen. In Brasilien gebe es doch genug Wälder, findet er. Diesen steigenden Druck bekommen die Menschen, die den Wald schützen und verteidigen wollen, mit jedem Tag deutlicher zu spüren.

Um das ganze Gespräch mit Ivo Marusczyk zu hören, in dem noch viel mehr Aspekte besprochen werden, klickt oben auf den Play-Button.