Nach dem Kanzleramt gibt es keine höhere politische Position als die einer Bundesministerin. Das bedeutet hohe politische Verantwortung - und die Fähigkeit, eine große Behörde zu managen.

Dass dieses Jahr ein neuer Bundeskanzler oder eine neue Bundeskanzlerin gewählt wird, ist sicher. Sehr wahrscheinlich ist auch, dass es einige neue Bundesminister geben wird. Sie leiten dann die Ministerien, deren Mitarbeitenden aber zu großen Teilen bleiben. Viele sind verbeamtet und verrichten ihre Arbeit unabhängig davon, welche gewählte Politiker an der Spitze stehen.

Katarina Barley, aktuell Vizepräsidentin des Europaparlaments, hat schon drei Bundesministerien geleitet: Von 2017 bis 2018 das Bundesfamilien- und Bundesarbeitsministerium. 2018 bis 2019 hatte sie den Posten der Bundesjustizministerin inne.

Die Spitze muss anführen können

Für Katarina Barley war klar: An der Spitze eines Ministeriums zu sitzen, bedeutet auch, einen großen Apparat an Beamtinnen und Beamten unter sich zu haben, die dort teilweise schon seit Jahren arbeiten.

Laut der SPD-Politikerin könne ein Ministerium schon mal ein Eigenleben entwickeln. Das sei einerseits notwendig, bringe gleichzeitig auch mit sich, dass die Beamtinnen und Beamten eine gewisse Vorstellung davon haben, wie das Ministerium ausgerichtet ist oder wofür es stehen sollte.

"Die Verwaltungsmitarbeitenden bleiben, nur der Kopf ändert sich. Dadurch verselbstständigt sich so ein Apparat manchmal."
Katarina Barley, SPD, Vizepräsidentin des Europaparlaments und ehemalige Ministerin

Letztendlich ist ein Ministerium eine große Behörde, in der es vor allem um Management geht, findet Thorsten Faas, Professor für Politische Soziologie der Bundesrepublik Deutschland an der Freien Universität Berlin.

Katarina Barley hat ihre Ministerien gemanagt, indem sie Aufgaben abgegeben hat: "Man braucht vor allem ein bis zwei Personen, denen man bedingungslos vertraut. Ihnen vertraut man quasi an, den Rest des Apparates im Griff zu behalten und zu merken, wenn etwas schiefläuft." Wobei die Verantwortung die Ministerin beziehungsweise der Minister trägt.

Management von Partei und Ministerium ist ähnlich

Hinsichtlich der Organisation und der Kompetenz, eine Gruppe an Mitarbeitenden zu führen, sieht der Professor für Politische Soziologie Parallelen zu den Aufgaben in einer Parteizentrale. Mit ihren vielen Arbeitsebenen kommt sie den Strukturen eines Ministeriums nahe, sagt er.

"Auch eine Partei hat einen Apparat, eine Parteizentrale, die letztlich sehr ähnlich organisiert ist wie ein Ministerium, in Kommunikationsaspekten, Substanzaspekten und Fachaspekten."
Thorsten Faas, Professor für Politische Soziologie der Bundesrepublik Deutschland an der Freien Universität Berlin

In diesem Vergleich sieht Katarina Barley einen entscheidenden Unterschied zwischen einem Ministerium – das die oberste Behörde einen Staates ist – und einer Partei: die Verantwortung, zu handeln. Während eine Partei Idealvorstellungen formulieren kann, hat ein Ministerium die Aufgabe, Pläne in tatsächliche Beschlüsse umzuwandeln, erklärt sie.

Dazu gehöre es auch, zu überprüfen, ob Konzepte rechtlich überhaupt umsetzbar sind. Gerade in einer Regierungskoalition, findet Katarina Barley, braucht es dafür eine gewisse Bereitschaft zum Kompromiss. Für sie sei das die hohe Kunst beim Regieren.