Die SG Wattenscheid 09 muss Insolvenz anmelden. Die erste Mannschaft wird vom Spielbetrieb abgemeldet. Ein Schicksal, mit dem der Regionalligist nicht allein ist. Auch andere Fußballvereine kämpfen mit den finanziellen Herausforderungen.

Die SG Wattenscheid 09 gilt im Ruhrgebiet als Traditionsclub. Nach vielen Jahren in der zweiten Bundesliga folgte 1990 der Aufstieg in die erste Liga. Dort hielten sich die Wattenscheider bis 1994. Zuletzt spielte die SG Wattenscheid in der Regionalliga West. Immer wieder hatte der Verein in den vergangenen Jahren aber mit Geldproblemen zu kämpfen. Seit dem 23. Oktober ist klar: Das war es für die SGW. Der Verein ist insolvent und muss somit seine Profimannschaft vom Spielbetrieb abmelden.

Externer Inhalt

Hier geht es zu einem externen Inhalt eines Anbieters wie Twitter, Facebook, Instagram o.ä. Wenn Ihr diesen Inhalt ladet, werden personenbezogene Daten an diese Plattform und eventuell weitere Dritte übertragen. Mehr Informationen findet Ihr in unseren  Datenschutzbestimmungen.

Ein trauriges Schicksal, mit dem die Wattenscheider nicht alleine sind. Denn in der Regionalliga ist das Geld knapp - für alle Vereine. Matthias Friebe aus der DLF-Sportredaktion erklärt, die Regionalliga ließe sich gut mit "semiprofessionell" überschreiben. Noch nicht ganz Profitum wie bei den ersten drei Ligen, aber so richtiger Amateurfußball und Breitensport ist die Regionalliga eben auch nicht. Denn die Spieler verdienen durchaus Geld, wenngleich sie auch von Spielergehältern wie in der Bundesliga nur träumen können.

Leere Stadien am Montag und kaum Fernsehgelder

Trotzdem können viele Spieler von dem Geld leben, das sie in der Regionalliga verdienen. Und auch bei den Spielen müssen die Vereine ein bisschen mehr Geld in die Hand nehmen, um die Spielbedingungen zu erfüllen. So müssen zum Beispiel Rettungswagen mit Sanitätern vor Ort sein und ein gewisses Kontingent an Ordnern muss bei den Spielen für Sicherheit sorgen. Kosten, die zu Buche schlagen, wenn das Geld eh schon knapp bemessen ist, sagt Matthias Friebe. Bei Wattenscheid ist der Schuldenberg in den letzten Jahren so stark angewachsen, dass ein sechsstelliger Betrag erreicht wurde.

"Bei Wattenscheid reden wir von einem Minus im sechsstelligen Bereich."
Matthias Friebe, DLF-Sportredaktion

Denn den Ausgaben stehen nicht in gleichem Maße auch Einnahmen gegenüber. Die Zuschauerzahlen sind in der Regionalliga meist überschaubar und liegen eher so im dreistelligen Bereich. Reich wird man damit also nicht. Fernsehgelder gibt es nur, wenn man live im Fernsehen zu sehen ist. Und auch Sponsoren zahlen nur dann viel, wenn die Spiele im TV übertragen werden. Und das ist so gut wie nie der Fall. Der Privatsender Sport1 zeigt ab und zu mal ein Montagsspiel. Und das ist auch nur eins aus insgesamt 45 Spielen der fünf Regionalligen am Wochenende.

Viele Eintrittsgelder sind am Montagabend auch nicht zu generieren. Viele Fans haben nämlich keinen Bock auf Spiele am Montagabend bei Regen in unüberdachten Stadien.

"Das ist ein Teufelskreis: Entweder leeres Stadion oder Fernsehspiel, auf jeden Fall kann man von der Regionalliga meistens nicht so richtig gut leben."
Matthias Friebe, DLF-Sportredaktion

Beim Deutschen Fußballbund (DFB) ist das Problem bekannt und wird auch seit vielen Jahren heiß diskutiert. Dabei stehen zwei Punkte im Vordergrund: Denn in der Regionalliga lassen viele Vereine ihre zweiten Mannschaften spielen. Die haben natürlich zum einen ganz andere finanzielle Voraussetzungen als Vereine, bei denen die Regionalliga die höchste Spielklasse darstellt. Die haben aber auch andere personelle Voraussetzungen. Denn wenn es zum Saisonende um den Abstieg geht, stehen auch schon mal ein oder zwei Spieler aus der Profimannschaft der ersten Bundesliga mit im Kader.

Der zweite Punkt, den Matthias Friebe für den wichtigeren und dringenderen hält: Es gibt fünf Regionalligen unterteilt nach Regionen - also Nord, Nordost, West, Südwest und Bayern. Von allen Vereinen in diesen fünf Regionalligen können nur drei oder vier Vereine aufsteigen in die dritte Liga.

"Es kann passieren, dass ich als Meister einer Regionalliga nicht mal aufsteige."
DLF-Sportredaktion

Das heißt, ein Verein, der in den Aufstieg investiert und dafür zum Beispiel teurere Spieler verpflichtet und dann ein ganzes Jahr für den Aufstieg geackert hat, hat keine Garantie, dass es auch in die nächsthöhere Spielklasse geht, in der auch höhere Einnahmen durch zum Beispiel TV-Gelder winken würden. Beim DFB ist man sich einig, dass sich da etwas ändern muss. Wie diese Veränderung aber genau aussehen soll, darüber herrscht aktuell keine Einigkeit.