Im ersten Wahlgang der Regionalwahlen hatte der Front National 28 Prozent der Stimmen geholt. An ihrer Wahl-Strategie hatte Partei-Chefin Marine Le Pen bei ihren Auftritten keinen Zweifel gelassen: Die rechtsextreme Partei spielt mit den Ängsten der Franzosen vor radikalen Muslimen. Aber das allein erklärt den Wahlerfolg nicht.

Es gibt einen Zusammenhang des Wahlergebnisses mit der Angst und Verunsicherung nach den Paris-Anschlägen vom 13. November. "Aber man darf ihn nicht überbewerten", sagt Frankreich-Korrespondentin Ursula Welter. Zwar vermengt die Partei jetzt noch deutlicher ihre Einwanderungspolitik mit der Angst vor Terror. "Aber schon vorher war die Lage günstig für den Front National", sagt Ursula Welter. Das zeigen die steigenden Ergebnisse vorheriger Wahlen.

"Einfache Lösungen"

Im aktuellen Wahlerfolg spiegelt sich möglicherweise die Weiterentwicklung des Front National durch Marine Le Pen wider. Ihr Ziel ist es die Partei zu entdiabolisieren, sagt Dominik Grillmayer, Wissenschaftler am Deutsch-Französischen Institut. Einen absoluten Kurswechsel bedeutet das jedoch nicht. Aber das Gesicht des Front National ist ein anderes. Und die Partei ist breiter aufgestellt als zu Zeiten ihres Vaters Jean-Marie Le Pen.

"So wie er jetzt ist, ist der Front National als rechtspopulistisch einzuordnen. Früher unter Le Pens Vater war es eine eindeutig rechtsextremistische Partei."
Dominik Grillmayer, Deutsch-Französisches Institut

Der Front National setzt auf Themen, die die Leute umtreiben. Etwa die hohe Arbeitslosigkeit und die Folgen der Eurokrise, für die Le Pen vermeintlich einfache Lösungen wie den Ausstieg aus dem Euro anbietet. "Le Pen fährt einen dezidiert anti-europäischen Kurs", sagt Frankreich-Kenner Dominik Grillmayer. Hierzulande ist der FN am ehesten mit der Alternative für Deutschland vergleichbar: Die AFD setzt auf ähnliche Positionen wie der FN heute.

"Viele Franzosen halten den Front National für wählbar."
Dominik Grillmayer, Deutsch-Französisches Institut

Le Pen wirbt erfolgreich um die jungen Wähler. Nach aktuellen Forschungsergebnissen ist der klassische Wähler männlich und jünger als erwartet. Bei den 18- bis 24-Jährigen war er die stärkste politische Kraft. Damit fischt die Partei in einer Altersgruppe, in der sich viele Nichtwähler finden. Der Front National spiegelt eine jüngere Ausrichtung auch in den Parteirängen, etwa durch Le Pens Nichte Marion Maréchal-Le Pen, die in der Region 42 Prozent der Stimmen holte.

Ursula Welter, Frankreich-Korrespondentin
"Die Wahlforscher haben herausgefunden, dass der klassische FN-Wähler jünger ist als erwartet. Bei den 18- bis 24-Jährigen war er die stärkste Kraft: mit 35 Prozent."

Entscheidend wird der zweite Wahlgang am Sonntag sein. Dann dürfen alle Parteien antreten, die in der ersten Wahlrunde mindestens zehn Prozent der Stimmen bekommen haben. Schon vorher beginnt das Taktikspiel: Wer koalliert mit wem - oder gegebenenfalls gegen wen? Wer zieht sich aus einzelnen Regionen zurück? Bisher lag der Front National in sechs Regionen vorn. Kurz vor dem bürgerlichen Bündnis des ehemaligen Präsidenten Nicolas Sarkozy. Die Sozialisten von François Hollande folgten an dritter Stelle.

Dass der Front National seine Gewinne in allen sechs Regionen hält, wird bezweifelt. Als sicher gilt allerdings, dass er mithilfe seiner stärkeren lokalen Basis in mindestens in einer der Regionen regieren wird. Dominik Grillmayer meint: "Der Front National ist im französischen Parteiensystem angekommen."