Auf dem Weg zur Börse verändert Airbnb seine Strategie und plant unter anderem, künftig ins Filmgeschäft einzusteigen, wie die Nachrichtenagentur "Reuters" berichtet. Bei den geplanten Projekten soll der Fokus allerdings weiterhin auf dem Thema Reisen liegen.

Kurzfilme, Dokus und ganze Sendungen rund ums Thema Reisen: Das möchte Airbnb in Zukunft entwickeln und selbst produzieren. Ausgestrahlt werden, sollen die Produktionen im Netz – auf einem eigenen Portal und bei anderen großen Streaminganbietern. Das berichten "Reuters" und das Tech-Portal "The Verge". Bei den hauseigenen Produktionen soll es sowohl um die Airbnb-Userinnen und User und deren Geschichten als auch um die angebotenen Reiseorte gehen.

Das Fernweh der Kunden fördern

Durch die geplanten Projekte wird aus der einstigen Buchungsplattform für Wohnungen eine Art Lifestlye-Marke fürs Reisen, berichtet "The Verge". Ein erster Vorreiter für eine Produktion der Homesharing-Plattform feiert Ende April bereits auf dem Tribeca Film Festival in New York Premiere: Gezeigt wird eine Dokumentation über einen queeren Chor aus San Francisco. Die Online-Plattform hat hier die Rolle des Entwicklers und Produzenten angenommen. Und: Airbnb ist zudem an der Dokuserie "Home" beteiligt, die bald bei Apple TV angeboten wird.

"Sie sollen das Fernweh der Kundschaft fördern. Die dann im Idealfall gleich bei Airbnb die passende, mega-authentische Unterkunft bucht."
Martina Schulte, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporterin

Ein möglicher Grund für die größere Aufstellung des Unternehmens: Es werde erwartet, dass Airbnb im kommenden Jahr an die Börse geht, schreibt die Nachrichtenagentur "Reuters". Denn Airbnb habe jetzt genug finanzielle Mittel.

Ein weiterer Grund für die Diversifizierung: Immer mehr Städte und Behörden gehen gegen Airbnb vor. Zuletzt hat die Stadt Paris Airbnb dazu aufgefordert, eine Strafe von 12,5 Millionen Euro zu zahlen, weil auf dem Portal viele Privatwohnungen illegal als Mietwohnungen angeboten wurden.

"Auf dem Weg zur Börse entwickelt sich Airbnb immer mehr zu so einem ganzheitlichen Reiseunternehmen für Millennials."
Martina Schulte, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporterin

Von der Buchungsplattform zum digitalen Reiseführer

Mit dem gewonnenen Platz auf dem Reisemarkt und dem finanziellen Kapitel, das sich Airbnb geschaffen hat, sei es jetzt groß genug, Teil der traditionellen Hotelindustrie zu werden – den es ursprünglich zerstören wollte, sagt Reporterin Martina.

2018 hatte die Online-Plattform "Airbnb Plus" gelauncht – ein zusätzliches Angebot, um handverlesene Wohnungen, "Bed and Breakfasts" und kleine Boutique-Hotels buchen zu können. Zudem hat Airbnb zwei klassische Hotelportale gekauft: Die High-End-Übernachtungsfirma "Luxury Retreats" und die Laste-Minute-Buchungsseite "HotelTonight".

Eine ähnliche Entwicklung sei schon bei Netflix zu beobachten gewesen, schreibt "The Verge": Netflix habe zuerst auch nur Filme anderer Studios gestreamt, bis sie groß genug waren, eigene Produktionen zu finanzieren.