Denise lebt, wie sie will. Trotz und wegen ihrer Krankheit. Die ist für sie Antrieb - und spielt gleichzeitig keine Rolle.

Denise Yahrling ist 27 Jahre alt und eine Mischung aus Reise-Bloggerin und digitaler Nomadin. Ihr Geld verdient sie mit Buchverkäufen, als Cutterin, Kamerafrau und Social-Media-Planerin. Sie ist viel in Europa unterwegs, aber auch in Südamerika. So weit, so normal in heutigen Zeiten.

Eine Besonderheit gibt es dann aber doch, denn Denise hat die chronische Krankheit Mukoviszidose, eine Stoffwechselkrankheit. Ihre statistische Lebenserwartung: 40 Jahre. Die Krankheit beeinflusst ihren Lebensstil, andererseits aber auch wieder nicht.

"Ich hatte das Glück, dass meine Eltern mir gezeigt haben, dass ich ganz normal leben kann. Mir wurde nie eingeredet, dass ich irgendwelche Grenzen hätte."
Denise Yahrling

Denise hat viel über alles nachgedacht, hat meditiert und Dinge aufgeschrieben, hat sich mit allem gut abgefunden. "40 Jahre sind ein Mittelwert. Kann weniger sein, kann mehr sein. Jedem von uns kann jederzeit etwas passieren", sagt sie.

Deshalb lässt sie sich von ihrer Lebenserwartung nicht beeinflussen. Und als sie das erste Mal auf Reisen gegangen ist, hat sie auch gar nicht darüber nachgedacht, wie es ist, mit einer Krankheit zu reisen, die sie zwingt, jeden Tag diverse Medikamente zu nehmen, drei Mal täglich zu inhalieren, Dehnübungen und Sport zu machen.

In diesem Sinne wäre das hier ein Bericht über eine 27-jährige Frau, die viel reist, von vielen Orten aus arbeitet und ein spannendes Leben führt. So hat Denise das am Anfang auch in ihrem Blog gemacht. Es war ein klassisches Reiseblog.

Denise Yahrling
© Loan Temming

Andererseits aber hat die Krankheit Mukoviszidose einen zu großen Einfluss auf ihr Leben, als dass sie unerwähnt bleiben könnte. "Sie ist ein Antreiber", sagt Denise. Und auch deshalb spielt ein Zitat des römischen Philosophen Lucius Annaeus Seneca in ihrem Leben eine Rolle: "Es ist nicht wenig Zeit, die wir haben. Es ist viel Zeit, die wir vergeuden."

Denise will keine Zeit vergeuden, und sie hat sich bewusst ausgesucht, was sie gerade macht: Reisen, schreiben, arbeiten, meditieren, im Moment leben. Einen Plan hat sie dabei nicht. Es gibt keine Liste mit Ländern, die sie vor ihrem Tod besucht haben muss. Denise kommt auch gerne an Orte immer wieder zurück, an denen ihr es gefällt.

In Marokko gefragt werden, warum der Rucksack voll mit Tabletten ist…

Denise hat einen positiven Umgang mit ihrer Krankheit gefunden, und auch das ist wohl ein Grund, warum sie so offen über die Krankheit spricht und sie inzwischen auch in ihrem Blog thematisiert. Auch hat sie ein E-Book geschrieben und einen E-Book-Kurs "Reisen mit Krankheit" konzipiert. Erfahrung zu dem Thema hat sie einige - zum Beispiel, wie es ist, in Marokko gefragt zu werden, warum der Rucksack voll mit Tabletten ist, die in kleinen Plastiktütchen verpackt sind.

Denise will anderen mit Krankheiten Mut machen, aktiv zu werden und das zu tun, worauf sie Lust haben. Manchmal schrieben ihr welche, Denise hätte sie inspiriert, selbst eine Reise zu machen. Denise: "Das bedeutet die Welt für mich."