Stephan Orth wollte in fünf Wochen trotz Corona-Pandemie sicher von London nach Newcastle reisen. Sein Plan: Immer draußen sein. Damit dieses Vorhaben funktionierte, brauchte es jedoch eine Ausnahme – für besonders private Momente.

"Ich durfte öffentliche Toiletten benutzen, solange der Zugang direkt draußen war", sagt Stephan Orth. Sonst hätte es in Städten wohl etliche unangenehme Situationen gegeben. "Wenn ich nicht zuerst durch eine Shoppingmall oder eine Kneipe musste, sondern es direkt eine Tür gab, dann war das erlaubt."

Selbstauferlegte Regeln

Als Stephan allerdings in der Natur unterwegs war, hieß es: Möglichst weit weg vom nächsten Gewässer ein 20 Zentimeter tiefes Loch graben und die Stille der Natur genießen. Die Regeln für seinen Trip hat sich Stephan selbst gegeben.

Seine Route hat ihn von London über Manchester nach Newcastle geführt. Auf dem Weg dorthin machte er unter anderem Stopps in:

  • Notting Hill (angesagtes Viertel in London)
  • Windsor (Royals)
  • Oxford (Harry Potter)
  • Stratford-upon-Avon (Shakespeare)
  • Hadrianswall (Römer)

"Es war die Idee, Städte draußen zu erleben", sagt Stephan. Wenn er nicht einfach irgendwo gezeltet hat – wild campen, ist in England eigentlich verboten – dann hat er zahlreiche Gastgeber*innen gefunden: "Menschen haben mich auch in ihr Allerheiligstes gelassen: den englischen Garten. Ich durfte auf ihrem Rasen mein Zelt aufschlagen."

"Reisen bedeutet für mich: Ich lerne andere Länder besser kennen, aber auch mich selbst. Ich habe gelernt, dass ich durchaus Ehrgeiz entwickele, das durchzuziehen."
Stephan Orth, Reisereporter

Entweder ist Stephan gelaufen oder Fahrrad gefahren, seinen Rucksack mit ungefähr zehn Kilogramm Gepäck hatte er immer mit dabei. "Nach ein bis zwei Wochen ist man über jedes Gramm froh, das man nicht dabei hat", sagt er.

Ein England ohne Touristen

Seinen Trip durch England hat Stephan im August 2021 gemacht. Zu diesem Zeitpunkt war es wegen der Corona-Pandemie für ausländische Touristen noch komplizierter, nach England einzureisen.

Dafür hat er viele Engländer*innen getroffen: Europa-, aber auch Brexit-Befürworter*innen, die immer wieder rassistische Aussagen von sich geben. Eine Zwickmühle für Stephan: "Ich stelle erst mal viele Fragen, weil ich Menschen verstehen will. Aber manches kann nicht unwidersprochen stehen bleiben."

Seine Erlebnisse hat Stephan Ort in seinem Buch "Absolutely ausgesperrt: Wie ich 700 Kilometer durch England reiste und immer draußen blieb" aufgeschrieben.

"Ich kann einfach einen Rucksack packen und mich dann frei bewegen, ohne dass ich abhängig von der touristischen Infrastruktur bin."
Stephan Orth, Reisereporter

Besonders beeindruckt war Stephan Orth von den vielen verschiedenen kreativen Wortschöpfungen, um Betrunkenheit zu beschreiben.

Reisereporter Stephan Orth bei einem Fußballspiel in der englischen Premier League.
© Oli Scarff
Reisereporter Stephan Orth (im Bild in der orangenen Jacke und mit Maske) bei einem Fußballspiel in der englischen Premier League.

Im Deep Talk spricht er mit Sven Preger über seinen Trip durch England, was man lernt, wenn man die ganze Zeit draußen ist und wie es sich angefühlt hat, das erste Mal ein Spiel der Premier League im Stadion zu sehen.