Die Bundeswehr engagiert sich in Kitas und Schulen: Sie sammelt Spenden oder Kinder können das Schwimmbad in der Kaserne benutzen. Natürlich macht die Armee so auch Werbung für sich.

Die Bundeswehr pflegt mehr als hundert Kooperationen mit Schulen und Kindergärten. Das geht aus einer Kleinen Anfrage der Linken im Bundestag hervor. Und das bedeutet, dass mehr als tausend Kinder die Kasernen besuchen dürfen, sie können die Schwimmhalle benutzen, am Fußballtraining teilnehmen, es gibt Vorlesetage, Lampionumzüge durch die Kaserne - wer mag, kann unter Umständen mit Pilotenhelm ins Kampfflugzeug Tornado klettern oder auf dem Panzer spielen.

Bundeswehrstand auf der Gamescom 2014.
© Thomas Ruscher | Deutschlandfunk Nova
Die Bundeswehr ist auch regelmäßig auf der Spielemesse Gamescom unterwegs.

Das Engagement in Kitas sei selten, sagt Michael Schulze von Glaßer, politischer Geschäftsführer der Deutschen Friedensgesellschaft. In Schulen sei die Bundeswehr aber systematisch aktiv: Es gibt eine eigene Einheit von Jugendoffizieren, mehr als 100 Soldaten, die in Schulen geht. Dazu kommen noch die "Karriereberater": "Die sollen an Schulen für den Job bei der Bundeswehr werben", sagt Michael Schulze von Glaßer.

"Die Bundeswehr ist kein normaler Arbeitgeber, das ist Militär, das ist etwas Besonderes."

Die Soldaten sind regelmäßig auch auf großen Messen unterwegs, auf der Gamescom oder Buchmessen etwa, präsentieren dort Panzer, Fahrzeuge, veranstalten Spiele. "Es ist absurd", kritisiert Michael Schulze von Glaßer. Es sei zwar nicht erlaubt, Waffen für die Werbung einzusetzen. "Aber es ist der Bundeswehr erlaubt, Kinder auf den Panzer klettern oder in einen Kampfjet steigen zu lassen."

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Der Plan der Bundeswehr sei es, Kinder und Schüler unreflektiert an solche Waffensysteme heranzulassen, damit sie dann ein gutes Image von der Bundeswehr bekommen, sagt der Geschäftsführer der Deutsche Friedensgesellschaft. "In Schulen muss über Sicherheitspolitik und die Rolle des Bundeswehr debattiert werden", fordert er. "Aber das müssen die Expertinnen und Experten für den Unterricht tun, also die Lehrkräfte."

"Ich würde immer sagen: Bundeswehr raus aus den Schulen!"

Wie erfolgreich die Bundeswehr mit ihrer Werbung an Schulen ist, bleibt noch etwas unklar. "Der Fachkräftemangel ist bei der Bundeswehr nach wie vor erheblich", so Michael Schulze von Glaßer, "so dass IT-Fachkräfte fehlen oder Medizinerinnen und Mediziner".

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