Der Austritt aus der Kirche ist per Kirchengesetz geregelt. Ohne persönliches Erscheinen geht es nicht. Aber der Andrang ist höher als die Zahl der verfügbaren Termine.

Es gibt Dienstleister, die auf ihrer Website anbieten, den Kirchenaustritt gegen einen Betrag von rund 30 Euro mit einem vorgefertigten Formular zu regeln. Allerdings reicht das nicht ganz aus. Das mussten nun einige Austrittswillige feststellen, nachdem sie davon ausgegangen waren, dass sie offiziell kein Mitglied der Kirche mehr sind.

"Der wichtigste Punkt ist: Ich muss persönlich erscheinen."
Christiane Florin, Journalistin und Expertin für Kirche und Religion

Neben einem Formular, in dem der Wille zum Austritt formuliert wird, bedarf es je nach Bundesland noch eines Termins – entweder beim Standesamt, beim Amtsgericht oder beim Notar. Persönliches Erscheinen ist Pflicht. Dieser Termin kostet beispielsweise am Amtsgericht in Nordrhein-Westfalen 30 Euro. Neben dem Portemonnaie reicht es aus, den Personalausweis dabei zu haben, sagt die Journalistin Christiane Florin.

Bevor ihr zur Tat schreitet, solltet ihr euch über die Regelung des Kirchenaustritts in eurem Bundesland informieren,. Denn bei den Kirchenaustrittsgesetzen handelt es sich um Landesgesetze.

"Man kann nicht einfach eine schriftliche Erklärung unterschrieben zum Amtsgericht oder zum Standesamt schicken. Das ist nicht möglich."
Christiane Florin, Journalistin und Expertin für Kirche und Religion

In Nordrhein-Westfalen sei es so, dass die Termine um sieben Uhr am ersten Tag eines Monats freigeschaltet werden, sagt die Journalistin. Je nachdem, wie hoch die Zahl der Austrittswilligen zu einem bestimmten Zeitpunkt ist, kann es daher schwierig werden, überhaupt einen Termin zu bekommen.

Termine für den Kirchenaustritt können rar sein

Speziell in Städten, in denen die Austrittszahl hoch ist, sei es schwierig, einen Termin zu bekommen. In Köln liegt die Zahl der Kirchenaustritte für beide Kirchen zusammen im ersten Quartal 2022 bei 5.780.

Wie viele Menschen austreten wollen, hängt manchmal auch damit zusammen, ob ein Missbrauchsgutachten veröffentlicht wurde. Dann steigt die Zahl erfahrungsgemäß sprunghaft an, sagt Christiane Florin. Darauf seien die Standesämter und Amtsgerichte nicht vorbereitet.

"Je nachdem in welcher Stadt man sich befindet, sind die Termine relativ schnell weg. Manchmal sogar schon in der ersten halben Stunde."
Christiane Florin, Journalistin und Expertin für Kirche und Religion

Beleg über Austritt gut aufbewahren

Amtsgerichte und Standesämter raten dazu, den Beleg über den Austritt gut aufzubewahren. Bestenfalls ein Leben lang. Denn die Ämter heben diese Dokumente nur zehn Jahre lang auf. Falls die Kirche, aus einem Irrtum heraus, eine Nachforderung stellen sollte, hilft nur dieser Beleg um nachzuweisen, dass und wann ihr aus der Kirche ausgetreten seid.

"Es ist ein gewisser bürokratischer Akt."
Christiane Florin, Journalistin und Expertin für Kirche und Religion