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Das Jahr 1500: Manche Historiker*innen sehen in diesem Jahrhundertwechsel den Beginn der Moderne. Der Philosoph Erasmus von Rotterdam gilt als einer der wichtigsten Humanisten und Vorreiter der Reformation. Er will die Kirche nicht gleich stürzen – aber er will sie von innen reformieren.

1500: Kurz zuvor hatte Johannes Gutenberg den Buchdruck revolutioniert und damit den Weg geebnet für die Veröffentlichung von Meinungen und Informationen. Fortan bestimmen nicht mehr Kirchenfürsten und Monarchen allein, was die Menschen zu denken haben, sondern auch Philosophen oder Theologen, die dem althergebrachten kirchlichen Weltbild eine Alternative entgegenstellen.

Alternativen zum kirchlichen Weltbild

Gerade erst hatten die ersten Postkutschen des lombardischen Adelsgeschlechts der Tassos, aus denen später die Thurn und Taxis hervorgehen, ihre Arbeit aufgenommen. Sie transportieren Briefe und Anweisungen der Fürsten der Republik Venedig und der Päpste in Rom. 1490 gründen die Brüder Janetto und Francesco de Tasso im Auftrag des späteren römisch-deutschen Kaisers Maximilian I. die erste europaweit agierende Post. Jetzt können Schriften und Texte über den Kontinent verteilt werden und für das Entstehen von alternativen Ideen sorgen. Meinungsvielfalt und Zensur sind zwei Seiten einer Medaille, denn viele der Schriften sind nach Meinung der Herrschenden und des Vatikans Ketzerei.

Zu dieser Zeit prägen Philosophen wie Erasmus von Rotterdam oder Theologen wie Martin Luther ein neues Denken. Erasmus will die Kirche nicht gleich stürzen – aber er will sie von innen reformieren. Dabei greift er auf antike, griechische Philosophen zurück, deren Denken den europäischen Renaissance-Humanismus maßgeblich prägt. Erasmus, der am 11. Juli 1536 in Basel stirbt, gilt als einer der wichtigsten Humanisten und Vorreiter der Reformation, die sich am Beginn des 16. Jahrhunderts in Deutschland und den angrenzenden Ländern ausbreitet. Obwohl beide eine Reform der römischen Kirche wollen und beide von den gleichen Geistesströmungen ihrer Zeit geprägt sind, verstehen sich Martin Luther und Erasmus von Rotterdam nicht.

Ihr hört außerdem in Eine Stunde History:

  • Die Schweizer Historikerin Christine Christ-von Wedel spricht über Erasmus, der Theologe und Philosoph zugleich war.
  • Die Erfurter Erziehungswissenschaftlerin Susanne Zeller geht der Frage der Judenfeindschaft von Erasmus nach.
  • Der Philosoph Julian Nida-Rümelin erläutert, wie und wo der Humanismus heute noch wichtig und erkennbar ist.
  • Deutschlandfunk-Nova-Geschichtsexperte Matthias von Hellfeld blickt zurück auf die Zeitenwende am Beginn des 16. Jahrhunderts, als Renaissance und Humanismus die Moderne einläuteten.
  • Deutschlandfunk-Nova-Reporter Armin Himmelrath schildert das schwierige Verhältnis des deutschen Reformators Martin Luther zu Erasmus von Rotterdam.